20 Jahre 20 Meinungen

Wir haben nachgefragt...

Das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg blickt 2018 / 2019 auf 20 Jahre seines Bestehens zurück. Was vor zehn Jahren noch in den Kinderschuhen stand hat nun das Erwachsenenalter erreicht. Welchen Einfluss hat das junge Biosphärenreservat auf die Menschen der Region? Wir haben 20 Bürger aus der Region Prignitz nach ihrer ganz persönlichen Verbindung zum Biosphärenreservat gefragt. An dieser Stelle folgen in Kürze alle geführten Interviews.

Oliver Hermann - Bürgermeister der Stadt Wittenberge

Oliver Hermann, Bürgermeister der Stadt Wittenberge
Oliver Hermann, Bürgermeister der Stadt Wittenberge

Dr. Oliver Hermann ist seit 2008 Bürgermeister der Stadt Wittenberge, davor war er Museumsleiter und Leiter des Kultur-, Sport- und Tourismusbetriebes Wittenberge. Zudem ist er auch Vorsitzender des Tourismusverbandes Prignitz. Durch seine Tätigkeiten ergaben sich vielfältige Berührungspunkte mit dem Biosphärenreservat, z.B. im Hinblick auf die Förderung von nachhaltigem Tourismus oder die Ausrichtung des Apfelmarkts in Wittenberge.

1. Welchen Ort im Biosphärenreservat besuchen Sie besonders gerne und warum?

Ich würde sogar sagen Orte. Und zwar sind das unsere Elbdörfer, also die Ortsteile von Wittenberge, die in der Elbtalaue liegen. Dazu zählen Hinzdorf, Garsedow, Lütjenheide, Zwischendeich und Schadebeuster. Was mir an diesen Dörfern so gefällt, ist, dass sie zwar sehr klein sind, aber alle ihre ganz eigene Identität haben. Hinzdorf ist so ein typisches Elbdorf, das beispielhaft für die Wohn- und Lebensqualität der Dörfer im Biosphärenreservat in der Elbtalaue steht. Mit der kleinen Kapelle, der alten Schule, der Wohnlage am Wasser und am Deich und umgeben von Wald und Feldern. Es strahlt so eine urprignitzer Atmosphäre aus.

2. Welche persönliche Erfahrung (Geschichte) verbinden Sie mit dem BR?

Es gibt zwei Situationen, die mir besonders in Erinnerung sind: Das eine war eine Veranstaltung, die wir so um die Jahrtausendwende durchgeführt hatten, als ich noch Museumsleiter in Wittenberge war. Die Veranstaltung nannte sich „Räubernacht mit Fledermäusen“ und fand beim Torwächterhaus (Steintor) statt. Damals noch mit Jeanette Fischer und Frank Neuschulz. Die Räuber standen für das Steintor, das früher ein Gefängnis war. Die Fledermäuse standen für die Natur in der Stadt. Bei Exkursionen in das Stadtgebiet wurde den Besuchern trotz des städtischen Raumes die Nähe zur Natur bewusst. Das war eine persönliche Erfahrung im Sinne von: „Das Biosphärenreservat ist überall.“ Bei der zweiten Situation saßen wir in einem Café in der Bahnstraße. Dann zwitscherte etwas und Frank Neuschulz meinte, das war jetzt der Vogel XY und der ist so selten, dass es den eigentlich gar nicht mehr gibt. Und hier in der Hauptgeschäftsstraße in Wittenberge fliegt er herum... Das war eine ähnliche Botschaft. Manchmal reicht es also schon, wenn man nur seine Sinne öffnet, um die Natur zu erleben.

3. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert seit es das BR gibt?

Als ich 1999 hier her gekommen bin, gab es das Biosphärenreservat schon. Es gibt also in diesem Sinne kein vorher und nachher für mich. Außerdem haben sich meine Arbeitsstellen verändert. Vom Museumsleiter zum Leiter des Kultur-, Sport- und Tourismusbetriebes Wittenberge bis hin zum Bürgermeister. Das sind ja auch verschiedene Ebenen. Gerade im Bereich Tourismus, der ja auch mit dem Biosphärenreservat wirbt, gibt es ein gewisses Spannungsverhältnis. So wie ich das Biosphärenreservat verstehe, ist Natur- und Kulturlandschaftsschutz nicht gegen, sondern für den Menschen. Das hört sich zwar schön an, muss aber ausgestaltet werden. Hierbei das richtige Maß zu finden, um beiden Seiten ausreichend zu genügen, das hat unsere Arbeit verändert. Man muss immer wieder diesen Kompromiss zwischen Landwirtschaft bzw. Stadtentwicklung und Naturschutz suchen. Das ist gar nicht so einfach und kann zu Konflikten führen. Dieses Rücksichtnehmen und Kompromisssuchen hat meine Arbeit verändert.

4. Wo steht die Biosphärenregion Ihrer Meinung nach in 20 Jahren?

Wir haben in den letzten 20 Jahren miterlebt, dass die Biosphäre von den Ressourcen her immer wechselnd ausgestattet war. Es waren fast immer fachlich sehr gute Mitarbeiter da, aber wir hatten den Eindruck, dass aufgrund des häufigen Wechsels an Mitarbeitern verschiedene Aufgaben nicht wahrgenommen werden konnten. Wir sind der Meinung und sehen das als Forderung auf kommunaler Ebene, dass das Biosphärenreservat auf Dauer über eine zuverlässige personelle, fachliche und sachliche Ausstattung verfügen sollte. Es muss ja ordentlich gearbeitet werden können. Dabei geht es nicht nur um die Kernaufgaben und Mindeststandards, sondern auch um die Kommunikation mit der Öffentlichkeit. Das wird immer wichtiger, kostet aber Geld und man braucht eine ausreichende Ausstattung. Wenn wir das Biosphärenreservat auch noch in 20 Jahren als Erfolg sehen wollen, dann sind das Voraussetzungen. Wenn diese erfüllt sind, sehe ich, dass das BR in 20 Jahren eine noch viel höhere Bedeutung für die Region hat als jetzt.

5. Wie würden Sie das BR Flusslandschaft Elbe-Brandenburg in drei Worten beschreiben?

Elbtalaue, Storchendorf (Rühstädt), Naturbeobachtungspunkte

Dr. Detlef Guhl - Vorsitzender der Eigentümergemeinschaft Seegemeinde Boberow

Dr. Detlef Guhl - Vorsitzender der Eigentümergemeinschaft Seegemeinde Boberow
Dr. Detlef Guhl - Vorsitzender der Eigentümergemeinschaft Seegemeinde Boberow

Dr. Detlef Guhl, Vorsitzender der Eigentümergemeinschaft Seegemeinde Boberow und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft “Rettet den Rudower See” blickt auf 20 Jahre Biosphärenreservat.

1. Welchen Ort im Biosphärenreservat besuchen Sie besonders gerne und warum?

Besonders gerne besuche ich natürlich unser Rambower Moor. Es liegt vor meiner Haustür und gehört, wie die Orte Boberow, Mellen und Rambow, zu meiner Heimat. Ich bin hier groß geworden und ich bin mit meiner Familie hier verwurzelt. Und auch der “Restsee”, der Gefahr läuft zu zuwachsen, liegt mir natürlich besonders am Herzen.

2. Welche persönliche Erfahrung verbinden Sie mit dem BR?

Das Zusammentreffen mit Herrn Dr. Neuschulz hat mich nachhaltig geprägt. Seitdem beschäftige ich mich intensiver mit den Ideen des  Biosphärenreservates. Trotz seiner umstrittenen Persönlichkeit hat Herr Neuschulz es geschafft, die Anrainer des Rambower Moores für den Moorschutz zu motivieren und sich aktiv einzubringen. Das war ein langer Überzeugungsprozess. Im Ergebnis tragen wir nun auf unseren Flächen zur Erhaltung des Moores bzw. zur Stärkung des Moorkörpers bei.

3. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert seit es das BR gibt?

Die Wahrnehmung der Natur hat sich in meinem Familienkreis intensiviert. Zusammen mit den Mitgliedern der Seegemeinde Boberow folgten wir den Ideen des Biosphärenreservates und konnten Naturschutz mit der Nutzung unserer Flächen verbinden. Als Eigentümergemeinschaft haben wir langfristig Flächen (ca. 100 Ha) an das Land Brandenburg verpachtet. Somit kam das EU-LIFE-Projekt überhaupt zustande. 25 Jahre sind diese Flächen verpachtet und entsprechende Maßnahmen wurden und werden durchgeführt.

Leider hat die Entwicklung des Biosphärenreservats unter dem häufigen Leiterwechsel gelitten. Neben persönlichen Gründen für einen Fortzug waren auch die Arbeitsbedingungen mit z.T. befristeten Verträgen nicht attraktiv, um die Köpfe hier an die Region zu binden. Mit fehlender Perspektive geht auch der Blick auf das gemeinsame Ganze manchmal verloren. Bei kurzen Zeitarbeitsverträgen kann ich das aber auch niemanden wirklich vorwerfen. Mit der jetzigen Besetzung sehe ich wieder Chancen für eine längere Zusammenarbeit.

4. Wo steht die Biosphärenregion ihrer Meinung nach in 20 Jahren?

Ich denke im Bereich entlang der Elbe kann sich noch einiges Positives entwickeln. Da die Hochwassergefahr nach wie vor präsent ist, werden vielleicht noch weitere Überflutungsflächen wie die Deichrückverlegung geschaffen werden. Zumal müssen wir davon ausgehen, dass sich extreme Wetterlagen in Zukunft häufen werden und neue Maßnahmen fordern.
Eine große Herausforderung wird die Wiederherstellung des Rudower Sees als Bade- und Angelgewässers sein. Über den Nausdorfer Kanal gelangen hohe Nährstoffeinträge aus dem Rambower Moor in den Rudower See. Wir arbeiten gemeinsam in einer Arbeitsgruppe mit der Biosphärenverwaltung und anderen Behörden an einer Lösung für dieses Problem. Verschiedene Interessen und erste Maßnahmenvorschläge stoßen dabei nicht immer auf Zustimmung der Anrainer. Diesen Knoten müssen wir zukünftig lösen.

 

5. Wie würden Sie das BR Flusslandschaft Elbe-Brandenburg in drei Worten beschreiben ein?

Eine wunderschöne Natur!

Hanno Taufenbach - Redaktionsleiter vom "Prignitzer"

Hanno Taufenbach - Redaktionsleiter vom "Prignitzer"

Hanno Taufenbach ist Redaktionsleiter der Zeitung „Der Prignitzer“. Mit stets neuen und spannenden Geschichten berichtet er seit 2000 nicht nur über das Biosphärenreservat in der Region.

1. Welchen Ort im Biosphärenreservat besuchen Sie besonders gerne und warum?

Da möchte ich zwei Orte nennen.
Zum einen der Elbdeich von Wittenberge in Richtung Wahrenberger Fähre, auf dem ich jede Woche ein- bis zweimal joggen gehe. Für mich ist das zu jeder Jahreszeit die schönste Laufstrecke in der Region. Auch die Geräuschkulisse dort ist immer wieder beeindruckend. Wenn wir privaten Besuch empfangen gehört  Rühstädt mit den Störchen zu unserem Gästeprogramm.

2. Welche persönliche Erfahrung verbinden Sie mit dem Biosphärenreservat?

In zwei Jahrzehnten sind das natürlich ganz viele.  Aber am intensivsten erlebte ich immer die einzelnen Hochwasserzeiten, beginnend 2002 bis hin zum letzten Hochwasser 2013. In diesen Zeiten war der Kontakt zu den Menschen intensiver als sonst und man erlebte wie stark die Natur sein kann. In den darauf folgenden Jahren lernte man hier in der Region, diese Naturkräfte zu zähmen. Ich blicke hier zum Beispiel auf die Deichrückverlegung am „Bösen Ort“.

3. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert seit es das Biosphärenreservat gibt?

Das ist natürlich eine spannende Frage für einen Journalisten. Für uns ergibt sich eine Vielzahl von Themen, die mit dem Biosphärenreservat direkt, mit dem Naturschutz oder dem Tourismus zu tun haben. Also Themen, die sonst seltener den Weg in die Zeitung finden würden. Das Spannende beim Naturschutz  ist die Bandbreite von sehr kritischen bis hin zu sehr positiv besetzten Themen. Da als Journalist mitarbeiten zu dürfen, ist eine spannende Sache. 

4. Wo steht die Biosphärenregion Ihrer Meinung nach in 20 Jahren?

Wir erleben jetzt schon seit geraumer Zeit, dass viele Menschen zwar in der Großstadt leben und wohnen wollen, gleichzeitig aber die Sehnsucht nach Naturnähe wächst. Ein Blick auf die Reisestatistiken verrät, dass sich naturnaher Tourismus seit Jahren im Aufschwung befindet. Ich bin der festen Überzeugung, dass dieser Trend weiter zunehmen wird und dass  in 20 Jahren noch mehr naturtouristische Angebote in der Prignitz etabliert sein werden. Es wird Touristen geben, die die Vorzüge der Natur des Biosphärenreservats zu schätzen wissen und vielleicht auch ganz bewusst auf Reisen in weit entfernte Naturreservate verzichten werden. Naturerleben vor der eigenen Haustür. 

5. Wie würden Sie das BR Flusslandschaft Elbe-Brandenburg in drei Worten beschreiben ein?

Sehr ruhig

Sehr laut

Sehr abwechslungsreich

Lothar Pawlowski - Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Karstädt

Lothar Pawlowski - Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Karstädt
Lothar Pawlowski - Vorstandsvorsitzender der Agrargenossenschaft Karstädt

1. Welchen Ort im Biosphärenreservat besuchen Sie besonders gerne und warum ?

Ich besuche besonders gerne die Elbe und den vorgelagerten Deich. Man hat dort eine gute Sicht über die Grünland- und Ackerflächen oder Wald. Ich erfreue mich dort an Fauna, Flora und an der offenen Landschaft. Der Elbdeich bietet einen weiten Blick ins Land, den ich am liebsten vom Fahrrad aus genieße. Ich halte mich regelmäßig in diesem Areal auf, egal ob nördlich Richtung Dömitz oder südlich bei Havelberg. Mit vielen Orten in der Region verbinde ich auch Kindheitserinnerungen: Baden in der Elbe bei Sandkrug oder Schlittschuhlaufen auf den überfluteten und gefrorenen Ackerflächen bei Bad Wilsnack gehören für mich dazu.

2. Welche persönliche Erfahrung verbinden Sie mit dem Biosphärenreservat ?

Das Biosphärenreservat hat sich in einer Landschaft gegründet, in der eine intakte Natur vorzufinden war. Diese intakte Natur ist historisch entstanden. Auf der einen Seite entstand hier eine durch Menschenhand geschaffene Kulturlandschaft, die gute Voraussetzungen für bestimmte Lebewesen und Pflanzenarten schuf.  So sind zum Beispiel die Störche an Bewirtschaftungsweisen, wie die Grünlandnutzung, der Landschaft gebunden. Auf der anderen Seite wurden in damaliger Grenznähe bestimmte Bewirtschaftungsformen eingestellt. Z.B. im Bereich Mödlich/Wootz wurde eine dreischnittige Mahd der Wiesen oft nicht mehr praktiziert. Dadurch haben sich bestimmte Arten etabliert, die an anderen Orten in Deutschland durch intensive Bewirtschaftung zurückgedrängt wurden. Abhängig von der Bewirtschaftungsform werden bestimmte Pflanzen und Tiere gefördert oder zurückgedrängt. Populationen etablieren sich und brechen wieder zusammen. Das erleben wir als Landwirte jedes Jahr.

Persönliche Erfahrung: Jährlich erfolgt in Rühstädt die Auswertung der Storchen-Saison. Dazu werde ich immer eingeladen und es kommen immer gute Gespräche zustande. Da geht es nicht nur um die Störche, sondern auch um Konflikte zwischen Naturschutz und einer Nutzung der Flächen durch die Landwirtschaft.

3. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert seit es das Biosphärenreservat gibt?

Die Unterschutzstellung von bestimmten Flächen erfordert von uns ein Umdenken und ein anderes Handeln. Es geht nicht mehr nach dem Motto: „So haben wir das immer gemacht“ und “Weiter so”, sondern wir haben uns in betreffenden Gebieten an bestimmte Vorschriften zu halten. Wir haben dabei aus ökonomischer Sicht gewisse Handicaps. Ein Umsetzen von bestimmten Einschränkungen bei der Bewirtschaftung ist mit einer Förderung oder Mittelbereitstellung durchaus machbar. Aber es muss eben geklärt sein, dass der Bewirtschafter sein Geld bekommt und der Landeigentümer seine Pacht bekommt.

4. Wo steht die Biosphärenregion ihrer Meinung nach in 20 Jahren?

Die Biosphäre hat sich in den letzten 20 Jahren etabliert und wird sich weiterentwickeln. Es werden weitere Flächen ökologisch bewirtschaftet werden. Und da sind die Vorschriften und Forderungen der EU und der UNESCO, die es umzusetzen gilt. Voraussetzung ist aber, dass ein Konsens mit den Landeigentümern und Flächenbewirtschaftern gefunden wird.

5. Wie würden Sie das BR Flusslandschaft Elbe-Brandenburg in drei Worten beschreiben ein?

Mir fallen dabei Farben ein:

Blau (für das Wasser), grün (für die Landschaft) und nochmal blau (für den Himmel).

Ansonsten würde ich sagen: „Für die Natur!“

Holger Galonska - Oberförsterei Gadow

Holger Galonska von der Oberförsterei Gadow
Holger Galonska von der Oberförsterei Gadow

1. Welchen Ort im Biosphärenreservat besuchen Sie besonders gerne und warum?

Den Gadower Wald! Hier bin ich groß geworden, habe viel erlebt und gesehen. Mein Leben lang habe ich sehr viel in den Wald investiert, beispielsweise in Pflanzungen aber auch in den Naturschutz. Werde ich gesucht, findet man mich meistens im Gadower Wald.

2. Welche persönliche Erfahrung verbinden Sie mit dem Biosphärenreservat?

Besonders beeindruckt hat mich das Projekt zur Deichrückverlegung bei Lenzen.

Als Oberförster arbeitete ich an vielen Schnittstellen mit verschiedenen Menschen. Wir initiierten viele Anpflanzungen im Gebiet. Die Zusammenarbeit war gut und wir hatten viel erreicht. In dieser Zeit wurde die Oberförsterei auch durch das Biosphärenreservat geprägt.

In letzter Zeit waren die Erfahrungen nicht ganz so gut, z.B. bei dem Thema Gadower Douglasie. Wir hätten alle viel mehr miteinander reden müssen. Mit dem damaligen Leiter Herr Rannow hatten wir ein gutes Verhältnis. Die Zusammenarbeit war sehr konstruktiv. Er ist auf die Leute zugegangen und hat alle Beteiligten einbezogen. Das wurde sonst oft versäumt.

3. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert seit es das BR gibt?

Die Oberförsterei Gadow engagierte sich schon vor der Zeit des Biosphärenreservates im Naturschutz. Noch während der Wendezeit entstanden Naturschutzgebiete mit unserer Beteiligung. Wir fühlten uns mitverantwortlich. Mit der Schaffung des Biosphärenreservates wurde unser Einfluss in den Naturschutzgebieten immer weniger. Manchmal wurden wir auch ein bisschen bevormundet, was nicht immer von Vorteil war. Da gab es nicht immer freundliche Umarmungen, sondern auch kritische Worte. Trotzdem war es in der der Gesamtbetrachtung in den letzten zwei Jahrzehnten eine sehr gute Zusammenarbeit.

4. Wo steht die Biosphärenregion ihrer Meinung nach in 20 Jahren?

Die ersten 10-15 Jahre waren die Aufbaujahre der Biosphäre. Jetzt hat sie sich etabliert. Sie hat sich manchmal ein Bisschen zu weit aus dem Fenster gelehnt: „Ohne uns geht es nicht.“ Oder: „Was wir sagen ist immer richtig.“ Diese Haltung prägte manche Zeitabschnitte.

Für die nächsten Jahre gilt es, weiterhin Kompromisse zusammen mit der Bevölkerung zu finden, um auf gemeinsamen Wegen Mensch und Natur in Einklang zu bringen. Im Moment scheint mir der Fokus zu sehr auf dem Naturschutz zu liegen. Das ist zwar wichtig, doch darf der Mensch dabei nicht aus dem Blickfeld geraten. Denn wir leben in einer zivilisierten Natur: Was wir hier vorfinden ist alles durch Menschenhand entstanden.

5. Wie würden Sie das BR Flusslandschaft Elbe-Brandenburg in drei Worten beschreiben ein?

Wasser ist Leben!

Nur auf das Biosphärenreservat bezogen: Naturnah, kritisch, menschenfreundlich

Krista Dziewiaty - Förderverein des Biosphärenreservates

Krista Dziewiaty vom Förderverein des Biosphärenreservates
Krista Dziewiaty vom Förderverein des Biosphärenreservates

1. Welchen Ort im Biosphärenreservat besuchen Sie besonders gerne und warum?

Einen bestimmten Ort gibt es gar nicht. Ich bin einfach gerne an der Elbe, auf dem Elbdeich und am Elbufer. Besonders gerne bin ich auf dem Achterdeich - da trifft man keine Leute. Die gesamte Elbe reizt mich immer wieder.

2. Welche persönliche Erfahrung (Geschichte) verbinden Sie mit dem Biosphärenreservat?

Eigentlich verbindet mich der Weißstorch mit dem Biosphärenreservat. 1990 schrieb ich meine Diplomarbeit in Lüchow-Dannenberg. 1989 war gerade die Grenzöffnung und es war nun möglich in Richtung Prignitzer Elbseite zu “blicken”. Als angehende selbstständige Biologin erhielt ich dann die ersten Aufträge zum Thema Weißstorch in der Region.

Als Mensch verbinde ich Frank Neuschulz mit dem Biosphärenreservat und auch der BUND  Lüchow-Dannenberg spielt eine große Rolle. Mein allererster Auftrag zum Weißstorch wurde von der BUND Kreisgruppe Lüchow-Dannenberg und von Frank Neuschulz beauftragt. Die Entstehungsjahre des Biosphärenreservates und die damaligen MitarbeiterInnen hängen eng mit meinem Lebenslauf  zusammen. Später kam das Ehrenamt im Förderverein des Biosphärenreservates noch dazu. Auch meinen Schatz lernte ich hier kennen - während ich Weißstörche beobachtete habe.

3. Wie hat sich Ihre Arbeit verändert seit es das Biosphärenreservat gibt?

Verändert? Würde ich nicht sagen. Als Biologin ist man auf sich allein gestellt; man muss sich selbst um Arbeit und Aufträge kümmern. Ich bin hauptsächlich in den Themenfeldern Weißstorchschutz und Schutz von Feldvögeln tätig. Einige Aufträge in diesen Bereichen kommen auch aus der Verwaltung des Biosphärenreservates.

Generell denke ich, dass der Naturschutz in der Biosphäre noch mehr an Bedeutung gewinnen kann.  Im laufe der Jahre lernte ich viele freundliche und kompetente MitarbeiterInnen in der Verwaltung des Biosphärenreservates kennen. Leider wechselte die Besetzung häufig, was bei langfristigen Projekten auch ausbremsen kann. Da verstehe ich mittlerweile auch die (Ur)-Einwohner, die dieses Thema oft als Problem ansprechen.

4. Wo steht die Biosphärenregion ihrer Meinung nach in 20 Jahren?

Ich hoffe, dass es ein besonders schönes Gebiet mit großer Anziehungskraft bleibt. Gerade im Tourismussektor sehe ich Chancen für weitere Arbeitsplätze, denn Urlaub in Deutschland und an der Elbe wird mit vielfältigen Angeboten immer attraktiver. Das sieht man an der Entwicklung des Elberadweges.

Gut wäre es, wenn das Biosphärenreservat künftig auch ohne Hinweisschild zu erkennen sein wird. Der Naturschutz und der Schutz unserer besonderen Kultur- und Auenlandschaft spielt dabei eine wichtige Rolle als Alleinstellungsmerkmal. Die weitere Landnutzung wird mit entscheiden wo die Reise hingeht. Für die Zukunft wünsche ich mir eine stärkere Förderung regionaler Landwirtschaft. Die Regionalität sollte mehr in den Fokus rücken, so dass Landwirtschaftsbetriebe vom Ruf des Biosphärenreservates profitieren können und sich abheben von anderen Regionen. Mit dem Netzwerk “Partnerbetriebe im Biosphärenreservat” wurde bereits ein richtiger Weg eingeschlagen, der aber noch stark ausgebaut werden kann.

5. Wie würden Sie das BR Flusslandschaft Elbe-Brandenburg in drei Worten beschreiben ein?

Schön

Naturnah

Sehenswert