Mittwinterzählung 2017 der Fluggäste im Biosphärenreservat

Seit Ende der 1960er Jahre werden in Deutschland in fast allen international und national bedeutenden Feuchtgebieten sowie in vielen lokal oder regional bedeutenden Gewässern Rastvogelerfassungen durchgeführt. Derzeit beteiligen sich über 2.000 Zählerinnen und Zähler an den Erfassungen. Die Wasservogelzählung ist damit das älteste und umfangreichste Vogelmonitoringprogramm bundesweit. Eingebunden sind diese Erfassungen in ein nahezu weltumspannendes Netz an Zählgebieten, die im Rahmen des International Waterbird Census (IWC), organisiert durch Wetlands International jeweils Mitte Januar erfasst werden. Mit Hilfe des IWC ist es mittlerweile möglich, für den überwiegenden Teil der weltweit über 2.300 Wasservogelpopulationen Gesamtbestände anzugeben und ihre Trends einzustufen.

Im Biosphärenreservat zählt die Naturwacht von September bis April alle zwei Wochen die Wasser- und Rastvögel. Zusätzlich finden im November, Januar und März durch die Naturwacht parallel systematische Erfassungen in so genannten Feldzählgebieten statt. Feldzählgebiete sind alle Acker- und Grünlandflächen innerhalb des Biosphärenreservats außerhalb der Gebietskulisse der Wasservogelzählung sowie an das Biosphärenreservat im Westen, Norden und Osten angrenzende landwirtschaftliche Flächen.

Eine Stunde vor Sonnenaufgang beginnt die Zählung an den Schlafplätzen der Vögel. Bei -11°C am Auenblick an der Deichrückverlegung und wunderschöner Winterlandschaft freute sich die Rangerin Marion Korsch: „Als ich heute Morgen aus dem Fenster schaute, sah es so aus, als ob Nebel über der Elbe liegt. Jetzt habe ich aber optimale Bedingungen. Es wurde zeitig hell. Zur Unterscheidung der Gänse reicht das Licht nicht. Aber die Singschwäne konnten gezählt, bestimmt und der Jungvogelanteil ausgezählt werden. Sogar ein blaues Halsband mit dem Code 0E21 konnte ich ablesen.“ Die Eingabe in das Internetportal www.geese.org ergab, dass der Singschwan am 18.07.2009 in Skrunda in Lettland beringt und bereits 178 Mal abgelesen worden ist. Seine Winter hat er in Sachsen-Anhalt und seine Sommer in Lettland verbracht.

Nach der Schlafplatzzählung zählt die Rangerin vom Auto aus in der Lenzer Wische. Knapp 115 km auf glatten Deichverteidigungswegen und Landwirtschaftsstraßen kommen dabei bis Sonnenuntergang zusammen. Durch die Kälte waren nicht mehr viele Gänse im Gebiet. Auch vom Singschwan, der im Biosphärenreservat regelmäßig Rastbestandsmaxima zwischen 2.500 und 5.000 Individuen zeigt, waren nur 54 Vögel am Schlafplatz auf der Elbe zu beobachten. „Die rasten mit bis zu 500 Vögeln in einem Trupp dieses Jahr im Amt Neuhaus und in Mecklenburg-Vorpommern“, weiß die Rangerin zu berichten.

Neben weiteren Wintergästen wie Schellente und Zwergsäger schleicht sich aber auch langsam der Frühling an. Die Blaumeisen und Kleiber singen, Kolkrabe und Seeadler beginnen mit der Balz.

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe