Weißstorch

Lebensraumansprüche

Ursprünglich war der Weißstorch Baumbrüter am Rande großer Flussauen, heute nistet er in Deutschland fast ausschließlich in menschlichen Siedlungen auf Dächern, Schornsteinen, Masten oder angebotenen Nistplattformen. Dabei besiedelt er v.a. gewässerreiche, grünlandgeprägte Landschaftsräume, in anderen Landschaftstypen erreicht er nur geringe Dichten und oft geringeren Bruterfolg. Wichtig ist ein gutes Nahrungsangebot (v.a. Amphibien, Wühlmäuse, Reptilien, bei reichem Angebot aber auch Insekten (Heuschrecken u.a.), Regenwürmer und andere größere Kleintiere) und eine Erreichbarkeit der Nahrung (keine zu hohe Vegetation) (Zusammenstellung nach Bezzel 1985 und Südbeck et al. 2005). Der Weißstorch ist eine Leitart für Feucht- und Frischgrünland und für Siedlungen.

Bestand

116 Brutpaare (2014). Der Erfassungsgrad ist vollständig. Alle bekannten Brutplätze werden von Mitgliedern des NABU-Kreisverband Prignitz kontrolliert und betreut.

Verbreitung & Lebensraum

Von den 116 Brutpaaren (2014) befinden sich 109 Horststandorte in vom Biosphärenreservat umschlossenen Ortschaften (s. Textkarte #). Sieben Horststandorte liegen in unmittelbarer Nähe am Rande des Biosphärenreservats. Die Hauptnahrungsflächen zum größten Teil im Biosphärenreservat. Die dichteste Besiedlung findet sich in den Dörfern entlang der Elbe, aber auch im Hinterland ist in vielen Ortschaften ein Brutpaar vorhanden. Folgende Orte sind mit mehr als zwei Brutpaaren (BP) besiedelt (Stand 2014): Rühstädt (37 BP), Mödlich (12 BP), Cumlosen (6 BP), Wootz (5 BP), Bentwisch (4 BP), Kietz (4 BP), Müggendorf (4 BP), Lenzen (3 BP).

Bestandsentwicklung

Der Bestand ist leicht zunehmend. Dabei schwankte die Reproduktionsrate in den letzten Jahren zwischen 1,65 und 2,36. Tab. 27 gibt einen Überblick über die Bestandsentwicklung von 2007 bis 2014 und den jahrweise schwankenden Bruterfolg.

Bewertung

Dem Vorkommen des Weißstorchs kommt eine landesweite Bedeutung zu, da es mit 21,6 Brutpaaren/100 km² im Vergleich zum landesweiten Durchschnitt von 4,4 mit Abstand die höchste Dichte aufweist und das Biosphärenreservat mit Rühstädt das storchenreichste Dorf innerhalb Deutschlands umschließt. Im Biosphärenreservat brütet 8,7 % des Landesbestandes. Der Zustand des Vorkommens ist g

Gefährdung

Im Biosphärenreservat sind folgende Gefährdungen bzw. Beeinträchtigungen relevant:

  • Verlust von Brutplätzen durch Dachsanierungen und Entfernen der Nisthilfe (zum Teil werden nach vorgenommenen Dachsanierungen Nisthilfen nicht wieder errichtet)

  • Entwässerung/Grundwasserabsenkung durch Gräben, Drainagen u.ä.

  • Habitatverschlechterung durch vermehrte Niedrigwasserstände in Folge des Klimawandels

  • Umwandlung von Grünland in Ackerflächen

  • Verschlechterung des Jagdhabitats durch intensive Grünlandnutzung in Form von häufiger Mahd, zu hohem Viehbesatz, Düngung mit nachfolgendem dichterem Aufwuchs der Vegetation u.ä.

  • Direktes Umpflügen von Ackerflächen nach der Ernte (Verringerung des Nahrungsangebots)

  • Nahrungsmangel in Folge des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft

  • Vergiftung durch Aufnahme (halb)verendeter Mäuse bei Einsatz von Rodentiziden in der Landwirtschaft; außerdem kann der Einsatz einen Mangel an Beutetieren nach sich ziehen (allerdings unzureichender Kenntnisstand über die Bedeutung als reale Beeinträchtigung, da ungewiss, inwieweit Rodentizide innerhalb des Biosphärenreservats tatsächlich eingesetzt werden)

  • Kollisionen mit Stromleitungen oder Windrädern (innerhalb des Biosphärenreservats sind keine Windenergieanlagen vorhanden; somit sind von der Energiegewinnung durch Windräder nur solche Brutreviere im Randbereich betroffen, deren Alt- und Jungvögel regelmäßig außerhalb des Biosphärenreservats Nahrung suchen)

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Kategorien

  • Vögel