Naturschutz im Garten

Der Insektenfreundlicher Garten

Paläontologen charakterisieren ein Massenaussterben, wenn die Erde mehr als dreiviertel der Arten in einem geologisch kurzen Zeitintervall verliert. Dies geschah in den letzten 540 Millionen Jahren erst fünf Mal. Experten gehen zur Zeit von dem sechsten Massensterben aus, wodurch ein Großteil unserer bekannten Arten der letzten Jahrhunderte und Millionen für immer verloren gehen. Insekten bilden mit ca. 60 % aller Arten unsere artenreichste Gruppe und sind in besonders hohem Maße betroffen. Meist durch menschliche Handlungen verursacht, werden ihnen der Lebensraum und ihre Nahrungsgrundlage entzogen. Der Rückgang insbesondere blütenbesuchender Insekten ist auf die Intensivierung der Landwirtschaft und dem damit verbundenen Lebensraumverlust zurückzuführen. Der wachsende Gebrauch von Agrochemikalien in der Landwirtschaft führt zur Degradierung des Lebensraumes der Insekten. Insektizide verursachen direkt den Tod der Insekten, wobei Herbizide und Überdüngung die Insekten indirekt durch Reduzierung der Blütenverfügbarkeit beeinflussen. Während auf Agrarflächen kaum noch Insekten anzutreffen sind, erweisen sich Gärten als ein letztes Refugium. Vor der eigenen Haustür kann jeder seinen Beitrag zum Umwelt – und Artenschutz leisten. Die Fläche von Deutschlands Privatgärten ist immerhin mehr als doppelt so groß wie der aller deutschen Naturschutzgebiete zusammen.

Dabei sind und bleiben Insekten unverzichtbare Helfer in jedem Garten. Sie bestäuben nicht nur sondern sorgen auch durch das Vertilgen von Schädlingen für gesunde Pflanzen und eine reiche Ernte. Doch wie können wir das ökologische Potenzial unserer Gärten aus dem Versteck locken?

Blumenwiesen , Kräuterbeete , Hochstaudenflure, Heckensäume . Nicht eine Augenweide sondern auch Lebensraum. Foto: BR Archiv
Einheimischen Pflanzen eine Chance geben schafft Lebensraum. Foto: BR Archiv

Pestizideinsatz

Die Verwendung von Pestiziden auf Rasenflächen und Beeten zur Beseitigung von pflanzlichen oder tierischen Schädlingen führt zum Tod zahlreicher Insekten. Dabei enthalten Pestizide eine Vielzahl an Wirkstoffen wie Glyphosat (Totalherbizid) oder Neonikotinoide (Insektizid), welche neben der Umwelt auch dem Menschen Schaden können.
Um die Verbreitung ungewollter Wildkräuter zu reduzieren, können einfache Tricks helfen. Das Einsäen ausgewählter Wildblumenmischungen und Pflanzen schließt die Vegetationsdecke und nimmt den ungewollten Kräutern den Raum zum Wachsen. Wählen sie heimische und standortgerechte Pflanzen, welche an den hiesigen Bedingungen angepasst sind und auch mit Schädlingen besser zurecht kommen. Zur Reduzierung des Schädlingsbefalles im Beet haben sich wiederum Mischkulturen bewährt. Zur Vorbeugung eines Blattlausbefalles pflanzt man Bohnenkraut neben Bohnen, Kerbel neben Kohlsorten oder lässt Brennnesseln bei Obstkulturen wachsen, generell bewährt haben sich Petersilie, Zwiebeln und Minze. Gegen Schnecken hilft Mutterkraut, Rainfarn oder Kerbel als Randbepflanzung. Der Kartoffelkäfer meidet seine Fraßpflanzen bei der Pflanzung von Meerrettich, Spinat, Erbsen oder Kümmel und die Möhrenfliege vermeidet den Kontakt mit Majoran, Gelben Rüben, Zwiebeln und Lauch.

Tipp: Detaillierte Informationen und weitere Tipps zum ökologischen Gärtnern erhalten Sie u. A. im Buch „Mischkultur im Hobbygarten“ von Christa Weinrich (ISBN 10: 3800158310).

 

Hecken und Hochstaudenflure sind eine reich gedeckte Tafel für Fluginsekten und Bestäuber. Foto: BR Archiv
Kräuterbeet
Ein Kräuterbeet bereichert den Garten und verwöhnt den Gaumen. Foto: L. Häuser

Beleuchtung

Vor allem nachtaktive Insekten werden von künstlichem Licht angezogen. Im Lichtkegel gefangen, sind diese nicht mehr in der Lage sich auf Nahrungs- oder Partnersuche zu begeben. Sie sterben indirekt durch den hohen Energieverlust oder direkt durch Hitzeeinwirkungen und durch Fraßfeinde, die gezielt die Lichtquellen auf der Suche nach Beute aufsuchen. Diese für Insekten typische Verhaltensweise, beginnend mit der unaufhaltsamen Anziehung zur Lichtquelle und endend mit dem Tod des Insektes, wird als „Vakuum-Effekt“ bezeichnet. Tausende Insekten verlassen ihren ursprünglichen Lebensraum und finden den Tod ausgehend von einer einzigen Lichtquelle und lassen einen „insektenleeren Raum“, gleich einem Vakuum, zurück.

Konventionell genutzte Beleuchtungselemente wie Quecksilber- und Natriumdampfhochdruck, Leuchtstoffröhren und modernen Leuchten wie Metallhalogen und Leuchtdioden (LED) weisen jedoch Unterschiede in der Zahl der angezogenen Insekten auf. Generell gilt: kurzwelliges Licht mit hohem UV-Anteil ist attraktiver für Insekten. Bei der Ausstattung des Gartens mit Beleuchtungselemente sind daher Lampen, die warm-weißliches Licht aussenden (geringerer Temperaturwert definiert eine warm-weißere Lichtfarbe (1000 – 3000 K)), zu bevorzugen. Eine Minderung der Lichtstreuung wird durch den Einsatz von Kofferleuchten erreicht. Entsprechend ist die Verwendung von warm-weißen LED-Kofferleuchten empfehlenswert. Zusätzlich sollte auf eine Limitierung der Lichtnutzung zum Zeitpunkt der Gartennutzung geachtet werden. Zu diesem Zweck eignen sich Zeitschaltuhren, Bewegungsmelder oder Solarzellen.

 

Blütenvielfalt

Blumenwiesen, Kräuterbeete, Hochstaudenflure, Heckensäume und Wildsträucher bieten eine geeignete Nahrungs- und Lebensgrundlage für Insekten. Viele Bienenarten sammeln limitiert durch ihre Rüssellänge Pollen und Nektar oft von nur einer einzigen Pflanzenfamilie oder Pflanzengattung, deren Physiologie die des Bienenrüssels entspricht. Die wichtigsten Pflanzenfamilien für spezialisierte Wildbienen sind Korbblütler (Asteraceae), Schmetterlingsblütler (Fabaceae), Kreuzblütler (Brassicaceae) und Lippenblütler (Lamiaceae), begehrte Pflanzengattungen sind unter anderem Glockenblumen (Campanula), Weiden (Salix) und Natterkopf (Echium). Um das Nahrungsangebot für nektarsuchende Insekten zu gewährleisten, sollten artenreiche Wildblumenwiesen maximal zweimal im Jahr, das erste Mal ab Juni nach der Blüte, gemäht werden. Der geeignete Zeitpunkt der Mahd kann an einjährigen Pflanzen wie dem Mohn oder der Kornrade abgelesen werden. Sobald die Samenstände eingetrocknet und damit ausgereift sind, können sich diese Pflanzen wieder selbst aussähen. Die Mahdhöhe sollte zwischen 10 und 12 cm liegen, zudem empfiehlt es sich von innen nach außen oder von einer zur anderen Seite zu mähen, um den Tieren eine Fluchtmöglichkeit zu geben. Zur Etablierung einer artenreichen Flora sollten dem System Nährstoffe durch das Entfernen des Schnittgutes entzogen werden. Um den Tieren einen kurzzeitigen Rückzugsort zu ermöglichen, erfolgt diese Entfernung aber erst nach ein paar Tagen. Statt des Rasenmähers, eignet sich der Einsatz einer Sense zur Mahd. Dadurch unterliegen die Insekten weniger drastischen Lebensraumveränderungen wie dem Verlust von Nahrung und Unterschlupfmöglichkeiten und Änderungen im Mikroklima.

 

Artenreiche Wildblumenwiesen bieten Binen ausreichend Nahrungsgrundlage. Foto: BR Archiv
Mit der Sense kann gezielt zum richtigen Zeitpunkt mit dem perfekten Schnitt die Artenvielfalt einer Wiese erhöt werden. Foto: BR Archiv

Regionale und standortangepasste Pflanzen

Der Einsatz einheimischer Pflanzen ist ausschlaggebend für den Erfolg eines insektenfreundlichen Gartens. Einheimische Pflanzen- und Tierarten haben sich in Millionen von Jahren der Koevolution aneinander angepasst. Von einer einzigen Wildpflanze leben die unterschiedlichsten Organismen indem sie Nektar saugen, Blätter, Blüten, Wurzeln, Samen oder Pollen fressen. Die Pflanzen werden zur Eiablage oder als sicheren Unterschlupf genutzt. Jede Pflanze bietet eine Vielzahl an ökologischen Nischen an, welche durch unterschiedliche Tiere besetzt werden. Exotische Pflanzen hingegen werden kaum von einheimischen Tieren genutzt. Der in deutschen Gärten begehrte Schmetterlingsstrauch (Buddleja davidii) dient den adulten Schmetterlingen zwar als Nektarquelle, ist als Futterpflanzen für die Raupen des Schmetterlings jedoch wertlos. Im Gegensatz zu den zu meist spezialisierten Wildbienen, greifen Schmetterlinge auf die verschiedensten Nektarquellen zu. Die Raupen hingegen sind spezialisiert auf einheimische Futterpflanzen. Die Raupen des Schwalbenschwanzes fressen sich an der Wilden Möhre (Daucus carota subsp. carota), die des Schwarzblauer Bläuling an dem Großen Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) satt. Wer Brom- oder Himbeersträucher (Rubus)im Garten gedeihen lässt, bietet Raupen von Kaisermantel, Brombeerzipfelfalter, Perlmutterfalter einen reich gedeckten Tisch. Bei Fehlen dieser Futterpflanzen werden auch die Imagines vergeblich gesucht. Anstelle einer Hecke aus gebietsfremden Thujen (Thuja) oder dem Weiße Hartriegel (Cornus alba), können Hecken aus Holunder (Sambucus), Schlehe (Prunus spinosa), Brombeer (Rubus sectio Rubus) oder Wildrosen (Rosa) angelegt werden. Die einheimischen Sträucher haben den Vorteil an den hiesigen klimatischen Bedingungen besser angepasst zu sein und sind daher pflegeleichter und robuster als Exoten. Auch wenn eine gewisse Anpassungsfähigkeit einheimischer Pflanzen gegenüber des Standortes existiert, kann Wüchsigkeit und die Ausprägung an Blüten und Früchten bei nicht standortgerechter Pflanzung variieren. Dabei kann auf Düngung oder dem Einsatz torfhaltiger Blumenerde verzichtet werden. Bodenverbesserungen können mit Kompost erreicht werden, Torf gehört ausschließlich ins Moor und dessen Abbau zerstört millionenalte Ökosysteme und treibt den Klimawandel voran.

Wildpflanzen in der Prignitz und im gesamten Land Brandenburg kommen bestens mit sandigen nährstoffarmen Böden und geringem Niederschlag zurecht. Dank einer breiten Auswahl an einheimischen Wildpflanzen, kann für jede Gartensituation ein geeignetes Sortiment an Pflanzen zusammengestellt werden. So kann gewährleistet werden, dass im gesamten Jahresverlauf Blüten zur Verfügung stehen. Beispielshaft sind in der Tabelle in der rechten SpaltePflanzen vorgestellt, welche auf für die Prignitz typisch sandigen und trockenen Böden gedeihen.

Ein Heckensaum bietet wertvollen Rückzugsraum und Schutz für Insekten, Vögel und andere Tiere. Foto: BR Archiv

Erwerb geeigneter Pflanzen

Die Bedeutung der Verwendung regionalen Saatgutes zum Erhalt der Biodiversität und dem Schutz vor Floren-Verfälschung wird durch die Festlegung eines Bundesnaturschutzgesetztes deutlich, welches ab 2020 in Kraft tritt. Dieses Gesetzt sieht vor Pflanzen und Saatgut nur noch innerhalb ihrer Vorkommensgebiete in freien Landschaften auszubringen. Ausgenommen von dieser Regelung sind besiedelte und innerörtliche, sowie land- und forstwirtschaftlich genutzte Flächen. Dennoch ist die Verwendung regionalen Saatguts auch in besiedelten Bereichen aufgrund ihrer Bedeutung für den Artenschutz erstrebenswert.

Entsprechend sollte beim Kauf auf die Herkunft des Saatgutes zu achten. Qualitativ hochwertiges Saatgut verfügt über ein Zertifikat, welches die Abstammung des Saatgutes von Pflanzen der gewünschten Herkunftsregion garantiert. Mit VWW-Regiosaaten® und RegioZert® existieren zur Zeit zwei Zertifizierungen, an denen eine Orientierung stattfinden kann. Es wird zwischen einjährigen Mischungen unterschieden, welche bei ausbleibender Fruchtung jedes Jahr aufs Neue ausgebracht werden müssen und mehrjähriger Mischungen, welche den Garten über mehrere Jahre erblühen lassen. Fertige Blumenmischungen können entsprechend der Vorlieben des Gartenbesitzers nach einer Schmetterling- oder Bienenwiese, niedrig wachsende Kräuter oder hochwachsender Stauden ausgewählt werden. Eine Mischung beinhalten in der Regel Samen von bis zu 50 verschieden Pflanzenarten mit leicht unterschiedlichen Standortsbedürfnissen, sodass ein Pflanzerfolg gewährleistet wird. Dies bedeutet aber auch, dass ein und dieselbe Blumenmischung in jedem Garten anders aussehen kann. Generell sind mehrjährige Blumenmischungen ökologisch wertvoller, wobei diese jedes Jahr ein anderes Erscheinungsbild aufweisen. Mehrjährige Pflanzen blühen erst im zweiten Jahr, wenn die einjährigen Pflanzen bereits abgestorben sind. Mögliche Blumenmischungen und den dazugehörigen Anbieter sind der nachfolgenden Tabelle gelistet.

Erworbene Mischungen können auch durch die Sammlung von Samen aus der Umgebung immens in ihrer Qualität gesteigert werden. Samen von Lupine, Mohn und co. lassen sich leicht von reifen Samenständen absammeln und gezielt an eine gewünschte Stelle ausbringen. Wenn der Standort geeignet ist und die Pflanzen in der kommenden Saison fruchten, verbreiten sie sich ohne weiteres Zutun ganz allein.

Totholz

Lebensräume sind dann besonders artenreich, wenn sie schon sehr lange existieren oder weit verbreitet waren, sodass sich viele Arten an die unterschiedlichen Nischen anpassen konnten. Bäume der ursprünglichen Wälder befanden sich zu 20 – 50 % entweder in der Altersphase oder waren Totholz. Der früher fast flächendeckende Wald war ein „reichgedeckter Tisch“ und die Totholzbewohner mussten nur geringe Distanzen zum nächsten geeigneten Brutplatz zurücklegen, weshalb viele dieser Arten flugunfähig oder schlechte Flieger sind.
Diese Physiologie erschwert es den Totholzbewohnern neue Lebensräume zu erschließen, wenn sich die Bedingungen durch die Entnahme von Totholz verschlechtern. Umso wichtiger ist die Etablierung eines Totholzhaufens in heimischen Gärten. Ein Totholzhaufen bestehend aus abgestorbenen Ästen bis zu vermodernden Stämmen , ist schnell angelegt und lässt sich leicht in Naturhecken integrieren. Immer wenn Schnittholz anfällt kann dieses in die Hecke gegeben werden, um dort von Brombeeren oder Wildrosen überwachsen zu werden. Die Larven der meisten Bockkäfer darunter Widderböcke und Moschusböcke, des seltenen Hirschkäfers oder der Holzwespe ernähren sich von Holz. Auch Blattschneiderbienen oder die seltene Blaue Holzbiene nutzen Totholz für ihre Brut, indem sie alte Käfergänge verwenden oder selber Gänge nagen.

Totholz ist auch der Lebensraum für die in der Fortwirtschaft wichtigen Günstlinge wie dem Ameisenbuntkäfers, einem bedeutenden Borkenkäfer-Räuber oder der Kamelhalsfliege, dessen Juvenile Larven der Borkenkäfer und Eier der Nonnen vertilgen. Um die Vielfalt an Totholzbewohnern zu steigern, können unterschiedliche Gehölze in verschiedenen Ast- bzw. Stammdicken und Versetzungsgrades Verwendung finden. Generell gilt aber, dass dickere berindete Äste oder Stämme von Laubhölzern der Gattungen Eiche (Quercus) oder Buche (Fagus) besonders artenreich sind.

Um die Besiedlung des Totholzes durch Bienen zu erleichtern, können Löcher vorgebohrt werden. Zudem fressen viele Imagines der Totholzbewohner Pollen oder saugen Pflanzensäfte, weshalb eine artenreiche Blumenwiese in „Krabbeldistanz“ das Fortbestehen dieser Arten sichert.

Stämme oder Stubben werden von Käfern gut angenommen. Foto: BR Archiv
Abgestorbene Äste oder ein Totholzhaufen sorgen für Strukturvielfalt im Garten. Foto: BR Archiv

Der „unordentliche“ und lebendige Garten

Der ökologische Wert eines Gartens steigt mit der Vielfalt an räumlichen Strukturen. Der Garten kann durch Senken, Hügel, Treppen, Gräben und Teiche aus Naturmaterialien gestaltet werden. Hecken- und Strauchsäume, Kräuterbeete und Hochstaudenflure – diese und viel mehr Möglichkeiten gibt es einen struktur- und artenreichen Garten zu gestalten und die Artenvielfalt zu fördern. Eine ungemähte Wiese, ein heruntergefallener Ast oder den Boden bedeckendes Laub begründen den Lebensraum zahlloser Insekten und anderer Kleinstlebewesen, welche Nahrung und Unterschlupf finden. Die Betrachtung von zum Beispiel Brennnesseln als Unkraut existiert lediglich in unseren Köpfen, dient diese Pflanze doch dem Nachwuchs von mehr als 20 Schmetterlingsarten (darunter Tagpfauenauge, Kleiner Fuchs, Landkärtchen, Admiral, Distelfalter etc.) als Nahrung.

Ein Großteil der Bevölkerung findet, dass Gärten aus ästhetischen und phytosanitären Gründen ordentlich, sauber und steril aussehen müssen. Dabei sind unordentliche und strukturreiche Gärten attraktive und mit Leben gefüllte Orte der Entspannung und Erholung. Kinderaugen beginnen zu leuchten, wenn sich Feuerwanzen in der Sonne aufwärmen oder Hummeln Pollenhosen tragend Blüten besuchen. Immer mehr werden die Funktion und die Bedeutung eines insektenfreundlichen Gartens auch der breiten Öffentlichkeit bewusst. Jedes Insekt erfüllt eine Aufgabe und ist ein Rädchen im Getriebe des Ökosystems. Mit wachsender Artenvielfalt sinkt die Gefahr einer massenhaften Vermehrung lästiger oder schädlicher Arten. Auch die für das menschliche Auge wenig „attraktive“ Arten wie Ohrenkneifer, Florfliegen, Schlupfwespen oder Ameisen fungieren als natürliche Schädlingsbekämpfer gegen Blattläuse, Lebensmittelmotten und Schnecken. Zudem dienen sie als Nahrung für Vögel, Reptilien oder Amphibien, welche wiederum gefräßige Raupen und Nacktschnecken in Schach halten. Der Einsatz von Pestiziden wird dadurch unnötig.

Der durch vielfältige Lebensräume hervorgebrachter Artenreichtum kann Störungen wie das Verschwinden oder das massenhafte Auftreten schädlicher Arten sehr gut kompensieren und hält dadurch das Ökosystem im Gleichgewicht. Es gilt: Vielfalt ist besser als Einfalt!

Ein Landkärtchen in Sommerform findet seinen Platz im naturfreundlichen Garten. Foto: Thomas Könning
Der Admiral, ein Wanderfalter ist im Sommer ein Gartengast. Foto: Thomas Könning