Historische Haus- und Hofformen

Viele ländliche Siedlungen werden im Wesentlichen noch immer durch ihre Bauernhäuser und Bauerngehöfte geprägt, auch wenn längst nicht mehr alle ihre landwirtschaftliche Funktion bewahrt haben. Die Untersuchung der unterschiedlichen Formengruppen und Gehöfte, verbunden mit ihrer regionalen Verbreitung gewann in letzter Zeit verstärkt an Bedeutung. Erhaltung und Dokumentation werden immer wichtiger, da die alten Formen und ihre Substanz immer schneller verschwinden.

Die heutige Forschung geht davon aus, dass bäuerliche Anwesen: „durch immer erneute Einpassung wirtschaftlicher und geistiger Ziele in naturgegebene Möglichkeiten entwickelt worden sind. Zahlreiche ökologische, soziologische, ökonomische, kulturelle und historische Faktoren wirken bei einer solchen Evolution zusammen.“ (Ellenberg, zitiert nach Henkel, 1993, S. 183)

Wie viele Bauernhaustypen sich unterscheiden lassen, hängt vom Grad der Differenzierung ab. So unterscheidet Schröder z.B. 16 Formentypen, Gebhard weist für Mitteleuropa insgesamt 42 Einzelhaustypen nach.

Allgemein üblich ist die Einteilung in Einhaus und Gehöft. Bei einem Einhaus sind Wohn-, Stall- und Speicherfunktion unter einem Dach zusammengefasst. Ein Gehöft besteht aus mehreren Gebäuden mit entsprechend getrennten Funktionen, z.B. Wohnhaus, Stall, Scheune, Backhaus.

 

Ein Ernhaus in Gnevsdorf. Foto: Silke Last
Ein Ernhaus in Groß Breese. Foto: Silke Last
Stallgebäude in Gnevsdorf. Foto: Silke Last
Ein Haus
Ein Niederdeutsches Hallenhaus in Mödlich. Foto: Horst Oppenhäuser

Hausformen

Durch das Prignitzer Elbetal verläuft eine Haustypengrenze. Entsprechend ihrer Form lassen sich Häuser in längs- und quergeteilte Typen teilen. In den Marschhufendörfern findet sich noch heute das längsgeteilte Einhaus. Der wichtigste Vertreter dieses Grundtyps ist das Hallen-Einhaus, es wird auch als „Niederdeutsches Hallenhaus” bezeichnet.

Im Umfeld von Wittenberge und Bad Wilsnack hat sich das mitteldeutsche Ernhaus als Vertreter der Gruppe der quergeteilten Haustypen durchgesetzt. Es handelt sich um einen Langbau bei dem Wohnung und Wirtschaftsteile durch senkrecht verlaufende Innenwände getrennt und durch separate Zugänge erreichbar sind. Das Ernhaus ist ein traufständig erschlossenes Wohnstallhaus. Der an der Längsseite liegende Eingang führt in den Ern (Flur). Der Flur ist der zentrale Bereich des Hauses, mit einer Herdstelle im hinteren Bereich, der späteren Küche.

Durchfahrt mit Wohnhaus in Lütjenheide. Foto: Silke Last
Eine Durchfahrscheune in Lütjenheide. Foto: Silke Last
Niederdeutsches Hallenhaus in Mödlich aus dem Jahr 2007. Foto: Silke Last
Die Fischerkate in Mödlich. Foto: Silke Last

Gehöftformen

Verbreitet ist insbesondere das altsächsische Gehöft, das ursprünglich für die Stellung des Wohnhauses keine Regel kannte. Später wurde es jedoch üblich, das Wohnhaus mit seinem Eingang so zu platzieren, dass die Dorfstraße möglichst leicht zu erreichen war. Allgemein werden drei Gehöfttypen unterschieden:

Regelloses Gehöft

Es wird gekennzeichnet durch die unregelmäßige Anordnung der einzelnen Gehöftbauten (z.B. Haufengehöft).

Regelgehöft

Die Einzelbauten sind schematisch angeordnet. Bei den „Winkelbauten bilden die (zwei bis vier) Einzelbauten einen rechteckigen Hofplatz. Je nach Gebäudeanzahl unterscheidet man Haken-, Dreiseit- und Vierseithöfe.

Zwittergehöft

Neben einem Hauptbau (i.d.R. Einhaustyp) treten weitere Einzelgebäude auf, so dass ein Gehöft gebildet wird.

Autorin: Silke Last, Stadt- und Regionalplanerin. Auszüge aus „Ländliche Baukultur im Prignitzer Elbtal“

Literaturnachweis: Henkel, Gerhard: Der ländliche Raum, Stuttgart, 1993.