Preisträger Wettbewerb Baukultur 2019

Alle ausgezeichneten Projekte des Wettbewerbs Baukultur 2019 im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe – egal ob Preis oder Anerkennung – haben eines gemeinsam: als positive Beispiele mit Vorbildcharakter haben sie eine besondere Strahlkraft und zeigen, dass Engagement für Baukultur in der Prignitz lebendig und zukunftsorientiert ist. Der Wettbewerbe führte folgende Kategorien:

  • Behutsamer Umgang mit dem Bestand

  • Neubau im Kontext zur Baukultur im Biosphärenreservat und der Umgebung

  • Bewahrung und Entwicklung des Ortsbildes

Preise für die Kategorie „Behutsamer Umgang mit dem Bestand“

In der Kategorie „Behutsamer Umgang mit dem Bestand“ überzeugten eine baukulturell besonders beachtenswerte Bestandsanierung des ehemaligen Reichspostamtes in Bad Wilsnack sowie die Neuinterpretation des Kirchturms in Rosenhagen. Der Wiederaufbau des Kirchturms in der historischen Kubatur vervollständigte das ursprüngliche Bauwerk vorbildhaft und schuf gleichzeitig einen multifunktionalen, ganzjährig nutzbaren Raum für die Kirchengemeinde und die Dorfgemeinschaft.

 

Ehemaliges Reichspostamt in Bad Wilsnack

Ein kleines Highlight sind die Heizkörper.
Die Ferienwohnung wird oft von Pilgern genutzt.
Stilsichere Inneneinrichtung der Ferienwohnung im ehem. Reichspostamt in Bad Wilsnack.
Stuckelmente verzieren die Decke.

Aus der Jurybegründung:

  • dem ehemaligen Reichspostamt (um 1880), das zuletzt durch eine Bankfiliale genutzt und umgebaut wurde, wird durch die jetzige Eigentümerin wieder eine baukulturelle Seele gegeben

  • lobenswerte handwerkliche und materialgerechte Bauweise und Ausführungsqualität

  • Rettung von Bauteilen, Materialien und Ausstattungsstücken aus Abrisshaus in der näheren Umgebung – Nachhaltigkeit durch Materialwiederverwendung

  • Vernetzung und Beteiligung durch regional ansässige Handwerker

  • Vernetzung und Austausch mit Bauherren und -frauen anderer (vergleichbarer) Projekte in der Nachbarschaft

  • Einbindung eines Baubiologen bei Entwurf und Umsetzung

Neuinterpretation des Kirchturms Rosenhagen

Der neue Kirchturm der Kirche in Rosenhagen.
Die Kirche in Rosenhagen vor der Instandsetzung.
Im Inneren des Kirchturm Rosenhagen.
Der neue Eingang in die Kirche.

Aus der Jurybegründung:

  • Idee der Kirche wird neu gedacht – durch ein innovatives Raumkonzept

  • durch den Wiederaufbau des Kirchturmes als Gemeinderaum in der historischen Kubatur wurde ein denkmalpflegerisch bedeutsames Ensemble der Prignitz aus Kirche, Pfarrhaus und zugehörigem Stallgebäude erhalten bzw. wieder vervollständigt und ein multifunktioneller Gemeinderaum geschaffen

  • die Umnutzung eines ursprünglich nur als Glockenturm verwendeten Bauteils, mit Schaffung eines beheizbaren Gemeinderaumes, einer Sanitäreinheit, Teeküche und eines Ausstellungsraumes kann als modellhaft bezeichnet werden

  • intelligente und ästhetisch überzeugende architektonische Lösung der Bauaufgabe:

    • Treppe mit verschließbarer Luke zum Raum: Verhinderung von Wärmeverlust (Nachhaltigkeit durch Energieeffizienz) und Verbesserung des Raumklimas mit dem Ziel eine intime Raumatmosphäre zu schaffen

    • Fensterlamellen im Material der Fassade (Lärchenholz) zur Schaffung einer nahezu homogenen Fassade und eines optimierten Lichteinfalls in den Raum

  • Öffnung der Kirche als Kulturzentrum

 

Preis für die Kategorie „Neubau im Kontext zur Baukultur im Biosphärenreservat und der Umgebung“

Den Preis in der Kategorie „Neubau im Kontext zur Baukultur im Biosphärenreservat und der Umgebung“ erhält der Kultur- und Begegnungsort "Judenhof" in Perleberg. Hier zeichnet die Jury die besonders gelungene Wiederbelebung des Judenhofs am histori-schen Standort aus. Durch einen Neubau für Veranstaltungen und Ausstellungen entstand ein aktiver Ort der Erinnerung, der in die Gegenwart ausstrahlt und in die Zukunft ausgerichtet ist.

Judenhof in Perleberg - Kulturverein Perleberg e. V.

Die Ansicht Vom Hagen nach der Neugestaltung.
Die Ansicht Vom Hagen zeigt den alten Zustand der Anlage.
Die Architektur bindet die Umgebung lebendig ein.
Kulturveranstaltungen finden regelmäßig im Judenhof statt.

Aus der Jurybegründung:

  • behutsame Umnutzung eines innerstädtischen Freiraums zum Kulturort mit einem Neubau als Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude

  • Idee und Projektumsetzung durch die Initiative des Kulturvereins Perleberg in Kooperation mit dem Architekturbüro Stefan Kunzemann und der Stadt Perleberg (Eigentümerin)

  • Wiederbelebung des Judenhofs am historischen Standort als Erinnerungsort, der durch Veranstaltungen und Ausstellungen in die Gegenwart ausstrahlt und in die Zukunft ausgerichtet ist

  • eine besonders gelungene Neuinterpretation der historisch hergeleiteten Platzabfolge: Tor innerhalb der Straßenflucht – Hof – neues Gebäude mit Öffnung zu Hof und Fluss – Terrasse – Meditationsgarten am Ufer der Stepenitz

  • die künstlerische Interpretation der Bauaufgabe wird bei der ästhetischen Ausführung hinsichtlich folgender Details sichtbar: - Garagenumbau unter der Verwendung der vorhandenen Gründung und der zwei Außenwände (Nachhaltigkeit durch Materialwiederverwendung)

    • vielschichtige Fassadengestaltung bestehend aus Metalllamellen und Glasfassade hofseitig sowie Putzfassade mit raumhoher Terrassentür uferseitig

    • künstlerische, raumübergreifende Fußbodengestaltung im Innenraum, die den Kontext zur jüdischen Lebenskultur herstellt

    • Ausformulierung des Daches in Schmetterlingsform mit Assoziation zum Zeltdach

    • Zugang zum Stepenitzufer bleibt erhalten

Preis in der Kategorie „Bewahrung und Entwicklung des Ortsbildes“

Die Dorfgemeinschaft des Straßendorfes Groß Breese erhält den Preis in der Kategorie „Bewahrung und Entwicklung des Ortsbildes“. Die Jury lobt das besondere Engagement für die ortsbildprägende, überregional bedeutende sechsreihige Baumallee des Prignit-zer Dorfes.

Sechsreihige Baumallee im Straßendorf Groß Breese Ortsbeirat Groß Breese / Kuhblank

Die Baumallee in Groß Breese prägt das Ortsbild.
Die Dorfgemeinschaft in Groß Breese setzt sich für ihr Dorf ein. Logo des Fördervereins.
Fledermaeuse unter dem Pfarrhausdach.
Interessierte und Aktive des Heimatvereins Groß Breese treffen sich auch unter freiem Himmel.

Aus der Jurybegründung:

  • besonders hervorzuheben ist das Engagement der Dorfgemeinschaft für die Bewahrung und Weiterentwicklung der Allee als ortsbildprägendes Element im Straßendorf Groß Breese

  • die vorhandene Denkmalbereichssatzung hat in der Dorfgemeinschaft eine sehr hohe Akzeptanz und wird aktiv gelebt

  • orbildcharakter für vor Ort verankertes, gemeinschaftliches Engagement zur Bewahrung von kulturellem Erbe in der Biosphärenregion

  • enregion • überregionale Bedeutung der Allee im Straßendorf Groß Breese als Gründungsmitglied in der „Arbeitsgemeinschaft Historische Dorfkerne im Land Brandenburg“:

    • Abfolge von verschiedenen erhaltenen Wegefunktionen: Durchfahrtsstraße, Pferdeweg, Fahrradweg, Fußgängererschließung

    • Geschichte des Ortes bleibt ablesbar: nach Brand des Runddorfes Wiederaufbau als großzügig angelegtes Straßendorf mit breiter Allee

  • ökologische und nachhaltige Aspekte der Allee für Mensch und Natur:

    • biologische Vielfalt im Siedlungsbereich

    • geringe Versiegelung

    • positive Auswirkungen auf das Mikroklima insbesondere in Hitze- und Dürreperioden (bedeutend für Klimafolgenminderung im Siedlungsbereich)

  • die Dorfgemeinschaft setzt sich insbesondere für die Entwicklung eines Pflegekonzeptes ein, welches für die Bewahrung der Allee dringend notwendig ist

Anerkennungen

Sechs Wettbewerbsbeiträge erhalten eine Auszeichnung für besonderes baukulturelles Engagement und die modellhafte Verknüpfung der Bauaufgaben mit Nachhaltigkeitsthemen wie dem Einsatz erneuerbarer Energien, dem Erhalt biologischer Vielfalt, der Verwendung von nachhaltigen Baustoffen oder der Förderung von Nachbarschaft und Teilhabe.

Sanierung und Nutzungsänderung des spätmittelalterlichen Speichers (Baujahr 1554 [d]) im Rahmen der denkmalgerechten Sanierung des Vierseitenhofes Deichhof Garsedow - Gabriele Schönfeld Horst Schönfeld

Ansicht auf den Hinterhof und Stall.
Eine historische Decke, die erhalten wurde.
Speicher und Scheune nach der Sanierung.
Bauen mit natürlichen Rohstoffen: Weidengeflecht beim Bau einer Wand.
Der ehemalige Schweinestall dient nun als Schlafzimmer.
Der Speicher vor der Sanierung.

Aus der Jurybegründung:

  • denkmalpflegerisch anspruchsvolle Umsetzung

  • innovatives Nutzungskonzept (Standesamt, Wellnessbehandlungen, Yoga) mit vielschichtigen Nutzergruppen (Pensionsgäste, Dorfbevölkerung, Hochzeitsgesellschaften)

  • Einsatz erneuerbarer Energien (Photovoltaik)

 

Vierseitenhof in Klein Lüben Familie Nickel/Beckmann

Das Wohnhaus von der Hofseite aus nach der Sanierung.
Die ehemalige Maschinenhalle vor der Sanierung von der Hofseite aus.
Die Scheune von der Hofseite nach Sanierung.
Die Scheune von der Hofseite aus vor Sanierung 1992.

Aus der Jurybegründung:

  • stimmiges Gesamtbild:

    • nutzungsorientierte Konstruktion für eine Scheunenumnutzung

    • biologische Vielfalt (Eulen, Schwalben, Fledermäuse)

    • Einsatz erneuerbarer Energien (Photovoltaik)

  • nachhaltiges, generationsübergreifendes Entwicklungskonzept:

    • landwirtschaftliche Nutzung

    • Ferienwohnungen

  • Erhaltung eines ortsbildprägenden Vierseitenhofes in einem für die Biosphärenregion typischen Runddorf

Hof Obst: ökologisch & nachhaltig / Kirche & Kulturturm: historisch + zukünftig Familie Obst Förderverein Kirche in Brüsenhagen e.V.

Eine Gibelseitige Nord-West Ansicht auf das Gebäude.
Auf dem Hof Obst sind Lehmziegel und Lehmputzverbaut. Eine Wandheizung und Holzweichfaserplatten sorgen für Wärme.
Der Hof Obst strahlt in neuem Glanz.
Im Westgiebel befindet sich eine großzügige Wohnküche im Landhausstil.

Aus der Jurybegründung:

  • Besonderes Engagement für die Revitalisierung des Dorfes:

    • Hof Obst: Leben und Arbeiten im Dorf

    • Kirche: Bewahrung/Entwicklung der dörflichen Baukultur und Schaffung eines Raumes für die Dorfgemeinschaft

  • Erhaltung und Weiterentwicklung des Bauernhofensembles unter Berücksichtigung der folgenden Nachhaltigkeitsaspekte:

    • Verwendung von ökologischen Baumaterialien (z. B. Lehm)

    • energetische Modernisierung und Einsatz erneuerbarer Energien (Photovoltaik, Holzvergaserheizung)

    • regionale Wirtschaftskreisläufe

    • artenreicher Haus- und Nutzgarten

    • Weidetierhaltung

  • kühne, ästhetische Umgestaltung des Kirchturms mit einer besonderen Ausstrahlung für das Ortsbild

 

 

Umbau des Wohnhauses Jahnstraße 14 in Perleberg mit Gestaltung des Vorgartens - Mechthild Claus Hendrik Claus

Ein Ort zum Wohlfühlen wurde hier geschaffen.
Biologische Vielfalt bekommt einen besonderen Stellenwert.

Aus der Jurybegründung:

  • Erhaltung der historischen Gesamtwirkung (harmonisches Zusammenspiel von Haus, Garten und Zaun)

  • Besonders hervorzuheben ist die gut durchdachte Neuanlage eines standortgerechten und sehr artenreichen Vorgartens mit Vorbildcharakter (Förderung biologischer Vielfalt im Siedlungsbereich)

  • sehr anspruchsvolle Dokumentation der Artenvielfalt vor der eigenen Haustür (Bildband)

Neubau Einfamilienhaus mit Stallgebäude in Rühstädt Altstadt e.V. Perleberg

Anspruchsvoll gestaltetes Haus, erbaut mit ökologischen Baustoffen.
Das Stall- und Scheunengebäude fügt sich harmonisch auf dem Grundstück ein.
Lehmwände sorgen für ein angenehmes und gesundes Raumklima.
Die Wohnküche mit Feuerstelle und Herd.

Aus der Jurybegründung:

  • Schaffung einer zeitgemäßen „Hofstelle“ (Wohnhaus mit anspruchsvoll gestaltetem Stall- und Nutzgebäude)

  • kostengünstige und baukulturell anerkennungswürdige Umsetzung

  • energieeffiziente und ökologische Bauweise mit überzeugendem Heizungskonzept (zentraler Holzofen und Herd)

Burgpark Lenzen - Trägerverbund Burg Lenzen e.V.

Die Burg mit dem Speissesaal im Anbau. Hotelgäste genießen hier ihr Frühstück.
Die großen Fenster des barocken Teehäuschens, einem Raum mit besonders lichtem hellem Ambiente, geben den Blick auf den idyllischen Burgpark frei. Das Gebäude bietet Platz für 20 Personen.
Das neu geschaffene "Auenreich" im Burgpark ist ein interaktives Erlebnis- und Bildungsangebot für die ganze Familie.
Besonders für Kinder ist der Burgpark und dem "Auenreich" ein Highlight. Entdecken, Lernen und Spaß haben werden hier groß geschrieben.

Aus der Jurybegründung:

  • Erhaltung und Entwicklung eines gartendenkmalpflegerisch bedeutenden Burgparks (z. B. durch Auwaldneupflanzungen)

  • Bedeutung des Burgparks als artenreicher Lebensraum in der Kulturlandschaft des Biosphärenreservats:

    • Eichenaltbaumbestand

    • Streuobstwiesen

    • Flussaue der Löcknitz

  • Entwicklung zu einem Lern- und Erholungsort für vielseitige Nutzungsgruppen (ortsansässige Bevölkerung, Hotelgäste, Besucher des Biosphärenreservats, Kinder- und Jugendgruppen) und sehr gute Umsetzung des erlebnispädagogischen Konzeptes „AuenReich“ im Burgpark (Bezug zu UNESCO-Programm „Bildung für nachhaltige Entwicklung“)

Lobende Erwähnungen

Mausoleum Gadow, Pflasterstraßen in Lanz - Hans Borchert, Bürgermeister Gemeinde Lanz

Außenansicht des Mausoleums ind Gadow. Unermüdliches Engagement durch Hans Borchert (seit 1990 ehrenamtlicher Bürgermeister) für den Ort Lanz (u. a. Ortsbild, Pflasterstraßen, Jahn-Gedenkstätte) und das Mausoleum Gadow.
Der Erhalt des Mausoleums ist dem Engagement der Bürger zu verdanken.

Birnenallee Gnevsdorf Dorfgemeinschaft Gnevsdorf (Antragsteller: Dr. Frank Ellner)

Gemeinsame Pflege und Erhaltung (Nachpflanzungen) der auf privatem Grund wurzelnden, ortsbildprägenden Birnenbäume in Gnevsdorf tragen zum Erhalt dieser Allee bei.
Die schmackhaften Birnen, oft die frühe Solana-Birne, können ab August geerntet werden.

Instandsetzung und Umnutzung ehem. Pfarrhaus Mödlich - Volker Warning

Das alte Pfarrhaus in Mödlich vor der Sanierung.
Denkmalpflegerisch hochwertige Instandsetzung und Umnutzung des Pfarrhauses Mödlich.

KulturHof Breetz, Künstlerkate Breetz - Horst und Brigitte Oppenhäuser

Farbenfroh geht es in Breetz zu.
Wiederbelebung des Wische-Dorfes Breetz – vielschichtiges (kulturelles) Engagement für den Ort und die Dorfgemeinschaft

Restaurierung und Sanierung Dorfkirche Grube - IBS Prignitz, Ing. Büro Schulze

Viele Bürger von Grube jeden Alters haben die Sanierung der ältesten Fachwerkkirche der Prignitz interessiert begleitet und tatkräftig unterstützt.
Der Innenraum der Kirche. Durch gute fachliche Arbeit konnte wertvolle historische Bausubstanz erhalten werden.