Feldtag am 16.7.2021 in der Prignitz zum Thema mehrjährige Energiepflanzen

Am 16.7.2021 hat der Deutsche Verband für Landschaftspflege mit seinen Kooperationspartnern (Kreisbauernverband, Fachverband Biogas, Landesbauernverband, Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe und engagierten Landwirten) sowie Fachfirmen in der Prignitz einen Feldtag zu dem Thema mehrjährige Energiepflanzen bei Pröttlin und bei Legde durchgeführt.

Bei dem Feldtag ging es konkret um die Pflanze „durchwachsene Silphie“ und eine blütenreiche Wildpflanzenmischung, beide Kulturen dienen als Substrat für die Biogasanlage. In dem Modellprojekt werden diese Kulturen mit mehreren Landwirten in der Prignitz an insgesamt 8 verschiedenen Standorten angebaut.

Insgesamt wurde der Feldtag von ca. 30 Personen besucht, in Pröttlin und in Legde erläuterten die Landwirte ihre Erfahrungen beim Anbau der Silphie und der Wildpflanzen. Die mehrjährigen Energiepflanzen sollen eine ökologisch und klimaschutztechnisch deutlich bessere Alternative zu dem Anbau von Mais bieten. Beide Kulturen sind mehrjährig, die Silphie kann weit länger als 10 Jahre stehen bleiben, die Wildpflanzen 5 Jahre. Die Kulturen haben sowohl auf dem Feld positive Eigenschaften auf die Ökologie und den Klimaschutz (Blütenreichtum, keine Pflanzenschutzmittel, biologische Vielfalt, Boden- und Erosionsschutz) als auch nach der Ernte als Co2 neutraler Energieträger in der Biogasanlage.

Vor Ort gab es sowohl Erläuterungen und Vorträge von den betreuenden Landwirten als auch von Fachfirmen wie der „Donau Silphie“, die sich auf den Anbau und Vertrieb der durchwachsenen Silphie spezialisiert hat. Dies ging dann in intensive Gesprächsrunden und eingehende Fachfragen über.

Die sehr schön blühenden Kulturen und das Ergebnis der Anbauversuche konnten dann vor Ort begutachtet werden. Auffällig waren auch die vielen verschiedenen Schmetterlinge an den Blüten der Silphie und den Wildpflanzen.  Daneben gab es Informationsmaterial und Produkte, die aus den gezeigten Pflanzen hergestellt wurden, wie Silphie Honig und Papier aus der Silphiefasergewinnung.

Das Fachpublikum zeigte sich überwiegend überzeugt von den Ergebnissen der Anbauversuche. Für die Versuche waren ausgesprochen arme, trockene Böden ausgesucht worden, um zu zeigen das die Pflanzen auch mit schwierigen Verhältnissen und den Bedingungen des Klimawandels zurechtkommen. Davon konnten die blühenden, hoch und dicht gewachsenen Kulturen überzeugen. Gerade im Hinblick auf den Klimawandel sind dringend neue Anbauvarianten erforderlich. Zum einen werden in Brandenburg die Trockenperoiden gerade in der Vegetationszeit immer länger. Und zum anderen müssen die Pflanzen dann Starkregenereignisse überstehen. Das tiefgreifende Wurzelwerk der mehrjährigen Kulturen schützt wesentlich besser vor Erosion als der Mais.

Das Projekt „mehrjährige Energiepflanzen in Brandenburg“ möchte neben der Verbesserung der Biodiversität in der Agrarlandschaft auch Lösungen für den Klimawandel aufzeigen. Wegen der aktuellen Unwetterkatastrophe hat dieses Thema gerade stark an Bedeutung gewonnen. Nach der Unwetterkatastrophe wurde von vielen Seiten zum Handeln aufgerufen. Dieses Projekt trug schon vorher aktiv seinen Beitrag gegen den Klimawandel bei.

Das Projekt wird vom Land Brandenburg im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum in Brandenburg und Berlin, zusammengesetzt aus ELER,- Bundes- und Landesmitteln gefördert. Bei Interesse an dem Anbau der Kulturen können Sie sich beim DVL Brandenburg melden.

Abschließend wurden bei Getränken und einem kleinen Imbiss die Fachdiskussionen in kleineren Runden intensiv weitergeführt.  

Hintergrund zu dem Projekt :

Mehrjährige Energiepflanzen für die Prignitz

Seit 2020 werden in einem Modellprojekt die mehrjährigen Energiepflanzen „Durchwachsene Silphie“ und „Wildpflanzen“ in der Prignitz in enger Zusammenarbeit mit Landwirten, Fachfirmen und einer Vielzahl weiterer Kooperationspartner angebaut. Das Projekt wird vom Land Brandenburg im Rahmen des Entwicklungsprogramms für den ländlichen Raum in Brandenburg und Berlin, zusammengesetzt aus ELER,- Bundes- und Landesmitteln gefördert. 

Für Insekten, Bodenschutz, Biodiversität und Klimaschutz

Sowohl die Silphie als auch die Wildpflanzen bieten ökologisch ein deutlich besseres Lebensumfeld als der Mais. Die große Blütenanzahl bietet Nahrung und Lebensraum für Insekten und wirkt dem aktuellen Problem des Insektensterbens entgegen. Mehrjährige Pflanzen sind neben dem Naturschutzaspekt auch für den Klimaschutz positiv. Durch die über mehrere Jahre gänzlich ausbleibende Bodenbearbeitung wird kein Kohlendioxid freigesetzt, sondern durch die verbleibende hohe Wurzelmasse der Humusaufbau und damit die Co2 Bindung im Boden verbessert. Nach Bestandsetablierung sind diese ausdauernden Kulturpflanzen aufgrund ihres intensiven und tiefreichenden Wurzelsystems zudem in der Lage, Extremwettersituationen deutlich besser zu verkraften. Die Kulturen sollen mindestens über die Projektlaufzeit von 3-4 Jahren stehen bleiben, zudem sind Untersuchungen zur Biodiversität geplant.

Für Landwirte

Die Mehrjährigkeit macht beide Kulturen auch für die Landwirte wirtschaftlich interessant, da die einmalig höheren Saatgutkosten durch die langjährige Nutzung – die Wildpflanzen bis zu 5 Jahren und die Silphie sogar weit länger als 10 Jahre – und Senkung der Produktionskosten durch nur zwei Arbeitsschritte (Düngen und Ernten) ab dem zweiten Standjahr aufgefangen werden. Zudem kann die Silphie im Rahmen des Greenings als ökologische Vorrangfläche angerechnet werden.

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 21.07.2021