Wilde Wald Welt – Das Pfingstfestival im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Termin: 19. und 20. Mai 2018 , jeweils 14:00 Uhr bis 24:00 Uhr
Ort: BBM e.V., Am Elbdeich 17, 19309 Unbesandten
Tickets: 75 Euro inklusive 5-Gänge Menü, Reservierung mail(at)bbm-ww(dot)de

"Wilde Welt Wald" ist eine multi-mediale Untersuchung zum Zustand unserer Forsten. Am 19. und 20. Mai jeweils ab 14 Uhr sind die Zuschauer aktiver Bestandteil künstlerischer Erkundungen in den Wäldern des Biosphärenreservates Flusslandschaft Elbe – Brandenburg. Mit Lesungen, Exkursionen und Gesprächen im Ferbitzer Forst, Ausstellungen und Filmen bei BBM e.V. Unbesandten, in der Galerie Divan und der Kirche in Stavenow Zustand des Waldes steht der Wald im Mittelpunkt.

Auch im Jahr 2018 geht die Einschränkung der kommerziellen Nutzung des Waldes im Großschutzgebiet "Flusslandschaft Elbe" weiter. Etwa 1% der Gesamtfläche ist bereits Kernschutzzone – die UNESCO fordert 3%. In den "Wildnisentwicklungsgebieten" kann die (Wieder-)Verwilderung nun theoretisch beginnen. Doch fragt sich: Schafft der "schwerste Organismus unseres Planeten" diesen "Job"? Was müssen wir alle darüber wissen? Was dazu tun, damit es klappt?

Im Rahmen von "Wilde Welt Wald" geht es "radikal glokal" zu: prominente Film- und Fernseh-Schauspieler wie den Stars aus „Tatort“ Lars Rudolph und Barbara Phillipp lesen Texte aus 700 Jahren Wald-Welt-Literatur; Filme aus dem Amazonas-Urwald und dem Urwald im Deutschen Mittelgebirge "Harz" werden vorgeführt; international renommierte Künstler zeigen Kunstwerke; Theoretiker von regionalem Belang und globalem Rang halten Vorträge. Wald bedeutet dem Wortursprung nach „dicht bewachsen“, ein mit Bäumen bestandener Ausschnitt der Erd-Oberfläche, im Volksmund gern als „grüne Lunge“ bezeichnet: ein komplexer Körper aus Holz, Mikroben, Myzelen, Moosen, Kerbtieren, Spinnen, Würmern, Beeren, Kräutern, Blumen, Farnen, die in symbiotischer Gemeinschaft leben und gemeinsam denken.

Wald war schon immer Vieles zugleich: wilde Naturlandschaft und gepflegter Nutzwald, Sehnsuchtsort für mythisch-völkische Projektionen, ebenso wie Zuflucht für Freigeister, Pilzesammler und Aussteiger, Wohnort von Fabelwesen, Versteck für Räuber, gefährliche Wildnis, die nicht lebend durchquert, wer sie nicht kennt. Wald ist aber auch nachwachsende Ressource, Lieferant von Holz für Häuser, Schiffe, Möbel, Skulpturen und wärmendes Feuer. Zeitung war über 500 Jahre ohne Bäume nicht denkbar. Papier entstand aus gefälltem Wald. Je mehr über die Jahrhunderte der bedrohliche Charakter des undurchdringlichen Dickichts zurücktrat, Motorsäge und Rückewagen den Urwald lichteten und Wege bahnten, um so stärker boten sich die grünen Zonen für Freizeit und Erholung an, als ein Ort der Gesundung von der Unwirtlichkeit der Städte.

Die gesellschaftlichen Projektionen auf das Heilpotential des Waldes sind mannigfaltig und werden von einem pan-europäischen forstpolitischen Prozess auf Ministerebene flankiert. Waldtherapie soll unser Immunsystem stärken. Selbst die von zuviel Chemie kranke Landwirtschaft kann am laub- und wurzelreichen „Ökosystem“ gesunden, dank lehrreicher Waldgärtnerei. Selbst die Ehe gehen manche mit dem Wald ein: in Mexiko heiraten Umwelt-AktivstitInnen bedrohte Bäume. Und am Ende legen wir uns in den Friedwald, dem jüngsten Geschäftsmodell unterm Blätterdach und werden eins mit der Natur, ausgestreut als Dünger.

In den 1980er Jahren ging es dem Wald plötzlich überraschend schlecht. Das war keine Lungenentzündung – der Fall galt als aussichtslos: Waldsterben. Saurer Regen sollte daran schuld sein. Man blickte erneut mit Existenz-Angst auf die Bäume. Sind auch wir bald alle tot? Doch schon bald kam die Erleichterung. 2003 erklärt die grüne Ministerin Künast "in Übereinstimmung mit Befunden der europäischen Nachbarn das Waldsterben für beendet".

Das 21. Jahrhundert beginnt in Bezug auf den Wald mit einem Paradigmenwechsel. Plötzlich gibt es statt chemisch verseuchtem Niederschlag und zerborstener Stämme den Klimawandel, ein politisches Instrument, mit dem ein Jeder persönlich in die Verantwortung genommen werden kann für die Rettung der Welt – einfach indem er sich wirtschaftsförderlichen Maßnahmen wie Abwrackprämie, Feinstaubfilter und Elektromobilität unterwirft. Was aber passiert derweil im Wald? Atmet der Patient noch?

Alle Infos zu Orten und Zeiten unter www.bbm-ww.de, www.divan-galerie.de Ticket-Reservierung mail(at)bbm-ww(dot)de Ticketpreis: 75 Euro inklusive 5-Gänge Menü.
Für Rückfragen: Olaf Arndt, Tel. 0177 650 17 18

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 08.05.2018