Neobiota in der Region

An dieser Stelle möchten wir gebietsfremde und invasive Arten aus der Tier- und Pflanzenwelt im Biosphärenreservat vorstellen. Diese Tiere und Pflanzen würden natürlicherweise nicht in Deutschland vorkommen. Der Mensch brachte sie in die Kulturlandschaft. Diese Arten werden Neobiota genannt. Doch ab wann ist eine Pflanze ein Neophyt (bei Pflanzen) oder ein Neozoe (bei Tieren) oder bereits heimisch? Das Jahr 1492 gilt als ein Scheidejahr, um eine Einordnung in heimische oder gebietsfremde Arten zu treffen: Arten, die sich nach diesem Jahr in Deutschland etablierten, werden als Neobiota eingeordnet. Arten, die bereits vor diesem Jahr anzutreffen waren, gelten als heimische Arten.

Die Nutria – Neuer alter Bewohner der Elbtalaue

Ein Nutria auf einer Wiese.

Die Nutria (Myocastor coypus) ist ein semi-aquatisch lebendes Nagetier, das in den letzten Jahren immer häufiger im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe zu beobachten ist. Die ursprünglich aus Südamerika stammende Art wurde bereits Anfang des 20. Jh. am Oberrhein festgestellt. Die heute in Deutschland vorkommenden Tiere sind hauptsächlich Gefangenschaftsflüchtlinge, die aus Pelzfarmen entwichen oder gezielt ausgesetzt wurden.

Die Kopf-Rumpf Länge beträgt ca. 45 cm bis 65 cm. Der drehrunde Schwanz ist zwischen 30 cm und 45 cm lang. Die Fellfarbe variiert zwischen gelbgrau bis schwarz. Die Vorderläufe sind mit starken Krallen bewehrt, die zum Graben dienen. Die Hinterfüße habe zwischen vier Zehen Schwimmhäute. Gut zu erkennen sind die großen orangeroten Nagezähne. Die Färbung entsteht durch Eiseneinlagerungen, die vor Abnutzung schützen.

Verwechst werden kann die Nutria mit dem heimischen Elbebiber (Castor fiber albicus), der deutlich größer ist und einen abgeplatteten Schwanz (Kelle) besitzt.

Die Nutria gehört zu den Neozoen (Tierarten die nach 1492 durch den Menschen verschleppt wurden) und gilt als invasive Art. Nutrias ernähren sich hauptsächlich von Pflanzen. Fraßschäden an Ufer- und Unterwasserpflanzen können erhebliche Auswirkungen haben. In der Literatur wird beschrieben, dass u.a. die Ausbreitung von Röhrichten durch Nutrias verhindert werden können. Damit haben die Nutrias nicht nur einen Einfluss auf die Vegetation an Gewässern, sondern auch auf Arten die auf diese Lebensräume angewiesen sind. Ein weiteres ökologisches Problem scheint der Fraß von Muscheln zu sein. Zwar ernähren sich Nutrias nur gelegentlich von tierischer Kost, aber lokal kann das durchaus den Großmuschelbestand gefährden.

Durch ihre Grabtätigkeit und dem Anlegen von Bauen an Ufern von Gewässern können Nutrias erheblichen Schaden an Deichen verursachen und Wege unterhöhlen.

Die Naturwacht erfasst in der Saison 2018/19, im Zusammenhang mit dem Bibermonitoring auch Hinweise auf Nutrias, wie Baue, Spuren, Losungen und Sichtungen. Ziel ist es sich ein Bild zu machen wie weit die Etablierung der Nutrias im Biosphärenreservat fortgeschritten ist und ob sich die Art weiter in Ausbreitung findet.

 

Literatur:

Arnold, J.M., Greiser, G., Krüger, S., Martin, I. (2016): Status und Entwicklung ausgewählter Wildtierarten in Deutschland. Jahresbericht 2015. Wildtier-Informationssystem der Länder Deutschlands (WILD). Deutscher Jagdverband (Hrsg.), Berlin.

Biela, C. (2008): Die Nutria (Myocastor coypus MOLINA 1782) in Deutschland – Ökologische Ursachen und Folgen der Ausbreitung einer invasiven Art, Diplomarbeit TU München

Nehring, S. (2016): Die invasiven gebietsfremden Arten der ersten Unionsliste der EU-Verordnung Nr. 1143/2014, BfN Skripten 438. BfN (Hrsg.)

Nutria – Management- und Maßnahmenblatt zu VO (EU) Nr. 1143/2014 (https://mlul.brandenburg.de/cms/media.php/lbm1.a.3310.de/Nutria-Management-Ma%C3%9Fnahmenblatt_03_2018_UAK.pdf)

ZAHNER, V. (2004): Verdrängen Bisam und Nutria den heimischen Biber? LWF aktuell, 45, 38–39.