Preisträger Wettbewerb Baukultur 2025

Begründungen der Jury zum Baukulturwettbewerb Prignitz

Im Rahmen des Baukulturwettbewerbs wurden Projekte ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise durch einen sensiblen Umgang mit Bestand, Materialien, Umwelt und regionaler Identität hervorheben. Die nachfolgenden Texte dokumentieren die Entscheidungen der Jury und geben Einblick in die jeweiligen Würdigungen der eingereichten Wettbewerbsbeiträge.

Im weiteren Verlauf werden zudem ausgewählte Bilder der ausgezeichneten Projekte veröffentlicht.

Kategorie Bestand

Instandsetzung eines Stadthauses mit Stallgebäude und Garten im Ortskern von Bad Wilsnack

Preisgeld: 800 €

Das zweigeschossige Stadthaus im Zentrum von Bad Wilsnack wurde in einem verwahrlosten Zustand übernommen und Schritt für Schritt erneuert. Die Hausfassade wurde fachgerecht saniert und prägt heute das Stadtbild mit ihrer typischen Hausfront. Der Bauherr legte und legt im gesamten Sanierungsprozess großen Wert auf die Wiederverwendung von Baumaterialien. Diesen Ansatz verfolgte er auch beim Stallgebäude und im Garten. Der Schuppen wurde nach historischem Vorbild instand gesetzt, das Dach mit wiederverwendeten Biberschwänzen eingedeckt. Der Garten blieb in seiner Urwüchsigkeit erhalten und bildet eine insektenfreundliche Oase mitten in der Stadt.

Der Preisträger fungiert als Botschafter der ländlichen Baukultur, indem er seinen Garten über die wiederhergestellte Toreinfahrt für nachbarschaftliche Treffen öffnet.
Wir würdigen den Prozess des Sanierens mit langem Atem und den sensiblen Umgang mit dem Bestand. Ein ästhetisch sehr gelungenes Bauvorhaben!

Wettbewerbsteilnehmer: Dr. Martin Scholz


Wassermühle Triglitz

Preisgeld: 800 €

Mit der denkmalgerechten Wiederherstellung der Wassermühle Triglitz ist ein herausragendes Beispiel gelungener Baukultur entstanden. Das Ensemble aus Mühle, Wohnhaus und Scheune wurde mit großer Sorgfalt restauriert. Die Eigentümer bewahrten die historische Substanz und führten eine Nutzung als Ferien- und Seminarhaus ein.

Mit ortstypischen Materialien, handwerklicher Präzision und ökologischen Ansprüchen entstand ein lebendiges Zeugnis ländlicher Handwerkskunst. Das Dual-Heizsystem, regionale Baustoffe und der sensible Umgang mit den naturschutzfachlichen Anforderungen des FFH-Gebiets zeugen von Verantwortung.

Wir würdigen die handwerklich hochwertige Restaurierung, die eine Ganzjahres-Nutzung mit modernem Komfort in historischen Gebäuden ermöglicht.

Wettbewerbsteilnehmer: Annette Thum & Klaus Goldhammer, Wassermühle Triglitz GbR


Kategorie Ortsbild

Sanierung einer denkmalgeschützten Hofanlage in Legde, Prignitz

Preisgeld: 800 €

Das lange leerstehende Bauernhaus im Ortskern von Legde wurde fachgerecht zu einem stattlichen Wohnhaus saniert. Es erstrahlt nun nach historischem Vorbild in ortstypischer Ziegelarchitektur und fügt sich harmonisch ins Ortsbild ein.

Vater und Tochter nahmen sich auch den weiteren Gebäuden des historischen Vierseitenhofes sowie dem Garten an. In unzähligen Arbeitsstunden wurde der Innenhof gesäubert, Fassaden instand gesetzt und der Garten mit regionaltypischen Pflanzen gestaltet. Heute ist die denkmalgeschützte Hofanlage ein baukulturelles Kleinod, von dem Mieterschaft wie Dorfgemeinschaft profitieren.

Wir würdigen das Engagement, einen attraktiven Wohn- und Lebensort nach historischem Vorbild geschaffen zu haben. Eine Bereicherung für das Ortsbild von Legde!

Wettbewerbsteilnehmer: Nicole Post und Siegfried Weger


Kategorie Freiraum

Kuhburg: Entwicklung einer Ruine zu einem touristischen Ort, Wüsten Vahrnow

Preisgeld: 800 €

Mit der Transformation der Kuhburg ist ein herausragendes Beispiel archäologischer Baukultur gelungen. Aus einer Ruine wurde ein Ort des Erinnerns, Entdeckens und Erlebens. Die begehbare Skulptur aus Cortenstahl macht die historische Struktur erfahrbar und vermittelt zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Der gestaltete Weg zur Ruine mit Pflanzungen und Sitzmöbeln lädt Besucher:innen ein. Das Mauerwerk wurde stabilisiert, ohne dessen Aura zu zerstören.

Wir würdigen die Erschließung des archäologischen Erbes unter Verwendung beständiger, nachhaltiger Materialien. Ein wertvoller Beitrag zur Erlebbarmachung archäologischer Orte in der Prignitz.

Wettbewerbsteilnehmer: Jan Bodenstein
Architekt: Architekturbüro Wieck


Kleinbahn (Pollo) – Wiederherstellung der Haltestelle Klenzenhof

Preisgeld: 800 €

Mit der Wiederherstellung der Haltestelle Klenzenhof hat das Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e.V. ein beeindruckendes Beispiel für gelebte Bau- und Verkehrskultur geschaffen. Die Anlage wurde nach einem historischen Gleisplan von 1957 originalgetreu rekonstruiert.

Das Projekt verbindet technische Präzision mit ehrenamtlichem Engagement. Der rekonstruierte Bahnhof ist heute Symbol für regionale Identität und gemeinschaftliche Initiative.

Wir würdigen den engagierten Einsatz zur Wiederherstellung der Haltestelle nach historischem Vorbild. Damit wird die erste Kleinbahn in der Prignitz touristisch erlebbar gemacht.

Wettbewerbsteilnehmer: Prignitzer Kleinbahnmuseum Lindenberg e.V.


Kategorie Ideen

Der Dachs in Garz, Plattenburg / OT Garz

Preisgeld: 800 €

Auf 660 m² Wohn- und Nutzfläche setzt die Initiatorin ein innovatives Konzept zur Agrarökologie um. Das Projekt verbindet ökologische Bauweise, Bildung und soziales Engagement. Das Bauerngut wird zu einem Begegnungszentrum, in dem auch biozertifizierter Anbau starten soll.

Nachhaltige Baustoffe, sanierte "Lehmzimmer" und die Einbindung junger Menschen kennzeichnen das Projekt.

Wir würdigen das Engagement und den visionären Weitblick der Preisträgerin. Der Dachs steht für ein innovatives Netzwerk gelebter sozialer Nachhaltigkeit in der Prignitz.

Wettbewerbsteilnehmerin: Julia Bar-Tal, Der Dachs in Garz


Anerkennungen

Lehm, Schilf und Holz: Ökologische Restaurierung der ersten Dorfschule Bälow

Das Fachwerkhaus in der Gartenstraße 10 zählt zu den ältesten Gebäuden des Ortes. Ursprünglich Anfang des 17. Jh. als Stall errichtet und ab 1680 zur Schule umgebaut, spiegelt es eine bewegte Nutzungsgeschichte wider – vom Wohnhaus über Kindergarten und Konsum bis hin zum privaten Wohnsitz. Nach dem Erwerb 2017 wurde das stark veränderte Haus in sieben Jahren behutsam und baubiologisch hochwertig restauriert. In sorgfältiger Eigenarbeit entstand ein authentisch erneuertes Fachwerkhaus, das historische Substanz, traditionelle Materialien und zeitgemäße Technik vorbildlich vereint.

Projektkategorie: Bestand

Wettbewerbsteilnehmer/-teilnehmerin: Peter Kerscher und Maria Gemind


Wohnen am Biosphärenreservat – Sanierung und Nutzung eines Elbschifferhauses

Es ist gelungen, ein denkmalgeschütztes Elbschifferhaus in Unbesandten mit großem handwerklichem, ökologischem und persönlichem Einsatz zu bewahren. Trotz schwieriger Eigentumsverhältnisse wurde ein gemeinsames Sanierungskonzept entwickelt und historische Materialien wie Ziegel, Terrazzofliesen und Lehm behutsam wieder eingesetzt. Die Erweiterungen des Elbschifferhauses mit Gauben und Veranda sind zurückhaltend ausgeführt und ermöglichen eine zeitgemäße und ansprechende Nutzung. Das kleinere moderne Wohnhaus ist leicht versetzt hinter dem alten Haus, ebenfalls mit dem Giebel zum Deich ausgerichtet.

Ergänzt durch ein modernes, ökologisch gebautes Holzrahmenhaus entstand ein Ensemble, das Ortsbild, Baukultur und Naturbezug vorbildlich verbindet. Heute bietet das Haus Gästen wie der Familie einen naturnahen Rückzugsort am Rand des Biosphärenreservats.

Projektkategorie: Bestand

Wettbewerbsteilnehmer/-teilnehmerin: Mechthild Kränzlin und Dr. Rainer Hoehne

 


Pilgerunterkunft im denkmalgeschützten Stallgebäude – Sanierung mit der Jugendbauhütte Brandenburg

Mit der behutsamen Sanierung des historischen Stallgebäudes im Klosterstift Marienfließ entsteht eine schlichte, würdige Pilgerunterkunft, die Denkmalpflege, Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung vorbildlich verbindet. Unter Anleitung erfahrener Handwerker:innen restauriert die Jugendbauhütte Brandenburg das stark geschädigte Fachwerk mit traditionellen Techniken und weitgehender Wiederverwendung historischer Materialien. Der konsequente Einsatz regionaler Baustoffe, Holz und Lehm entspricht den Prinzipien der Denkmalpflege und ist im Kontext eines historischen Gebäudes besonders sinnvoll. So wird ein fast verlorenes Gebäude erhalten und in eine sinnvolle Nutzung überführt, die spirituelles Erbe, Baukultur und gemeinschaftliches Lernen auf beeindruckende Weise zusammenführt.

Projektkategorie: Bestand

Wettbewerbsteilnehmer/-teilnehmerin: Almut Kautz – Stiftsleiterin des Evangelischen Stifts Marienfließ

Architekt / Architektin: Bernd Henning


Umnutzung des Wirtschaftsgebäudes im Pfarrhausmuseum in Blüthen

Mit der behutsamen Sanierung und Umnutzung des historischen Wirtschaftsgebäudes stärkt das Pfarrhausmuseum Blüthen ein einzigartiges kulturelles Ensemble im Herzen der Prignitz. Der denkmalgeschützte Ziegelbau wurde substanzschonend erneuert, mit traditionellen Materialien ergänzt und durch Archiv-, Ausstellungs- und Funktionsräume sinnvoll erweitert. Die neue Ausstellung zur Pfarrhaus-Ökonomie macht historische Arbeits- und Lebenswelten anschaulich erfahrbar, während moderne Infrastruktur das Museum für große Besuchergruppen ertüchtigt. So entsteht ein lebendiger Ort, der Baukultur, regionale Geschichte und das Engagement der Dorfgemeinschaft vorbildlich verbindet.

Projektkategorie: Bestand

Wettbewerbsteilnehmer/-teilnehmerin: Trägerverein Pfarrhausmuseum Blüthen e.V.

 


Umbau eines Bauernhofes zu einer Brennerei in Klein Gottschow

Mit großer Sorgfalt wurde der historische Bauernhof im Ortskern von Klein Gottschow wiederhergestellt und zu einer Brennerei umgebaut. Erhaltene Feldstein- und Ziegelmauern aus dem 19. Jahrhundert wurden restauriert, fehlende Bauteile originalgetreu ergänzt und das Dach traditionell mit Biberschwanz eingedeckt. So bleibt das ortsbildprägende Ensemble gegenüber Kirche und Schule bewahrt. Die energetische Ertüchtigung mit Aufsparrendämmung und Solaranlage verbindet Tradition und Moderne. Die neue Brennerei verarbeitet regionale Produkte und stärkt als offener Hof für Veranstaltungen die dörfliche Gemeinschaft und regionale Wertschöpfung.

Projektkategorie: Bestand

Wettbewerbsteilnehmer/-teilnehmerin: GANS Feinbrand Manufaktur GmbH

 


Wilde Staudengärtnerei in Seefeld

Die Wilde Staudengärtnerei Teske bewahrt nicht nur den historischen Standort einer Gärtnerei der 1920er Jahre, sondern hat sich zu einem einzigartigen Refugium für Artenvielfalt entwickelt. Mit über 600 ökologisch ausgewählten Stauden, einem torfreduzierten Substrat und dem bewussten Zulassen natürlicher Dynamiken entstand ein lebendiger Garten, der seltene Schmetterlingsarten wie Kleiner Perlmuttfalter und Kaisermantel in großer Zahl beherbergt. Totholzhecken, Obstbäume, Magerwiesen und vielfältige Kleinstrukturen schaffen wertvolle Lebensräume. Die Gärtnerei wirkt als ökologischer Korridor und nachhaltiger Lernort – ein inspirierender Beitrag zu Naturschutz, Landschaftsbild und Gartenkultur in der Prignitz.

Projektkategorie: Freiraum

Wettbewerbsteilnehmer/-teilnehmerin: Gärtnerei Teske, Seefeld


Die POSTENTDECKER – Leben statt Leerstand

Das Stadtentdecker-Projekt „Die Postentdecker“ zeigt eindrucksvoll, wie Jugendliche baukulturelle Bildung aktiv gestalten können. Die Schüler:innen des Perleberger Gymnasiums machten die Alte Post zum Ausgangspunkt einer kreativen Auseinandersetzung mit Stadtentwicklung und Leerstand. Mit Modellen, Videos, Zeitzeugeninterviews und einem digitalen 3D-Modell entwickelten sie vielfältige Nutzungsideen – vom Café über Arbeits- und Begegnungsräume bis zu einem „Röhrennest“. Die historischen Qualitäten des Gebäudes werden respektiert und neu interpretiert. So entstand ein generationenübergreifendes Konzept, das Identität stiftet und einem vergessenen Ort neues Leben verleiht.

Projektkategorie: Ideen

Wettbewerbsteilnehmerin: AG Architektur + Schule; Sabine Thürigen und Mascha Kleinschmidt-Bräutigam in Zusammenarbeit mit der Brandenburgischen Architektenkammer, Perleberg/Potsdam

 


„Wir machen Perleberg schön“ mit Begrünungswettbewerb und Planspiel

„Wir machen Perleberg schön“ zeigt, wie gemeinschaftliches Engagement Stadt nachhaltig verändern kann. Aus einer Mitmachaktion wurden sichtbare Impulse für eine lebendige Altstadt: Sitzinseln, bepflanzte Module, Fahrradbügel und eine Servicestation schaffen neue Aufenthaltsqualität und fördern klimafreundliche Mobilität. Upcycling, regionale Pflanzen und Pflegepatenschaften stärken ökologische Verantwortung und Nachbarschaft zugleich. Das Projekt verbindet Baukultur, Beteiligung und Nachhaltigkeit – niedrigschwellig, kreativ und inklusiv. Es macht vor, wie öffentliche Räume durch Bürgerhand zu Orten der Begegnung werden.

Projektkategorie: Ideen

WettbewerbsteilnehmerIn: StadtLabor Perleberg, David Dreker

 


Brandenburgs Alhambra

„Brandenburgs Alhambra“ zeigt beispielhaft, wie Infrastruktur, Baukultur und Naturschutz gemeinsam gedacht werden können. Entlang der A14 entsteht ein visionäres Lehmbau-Ensemble, das Lärmschutz, Biodiversität, regionale Materialien und zeitgenössische Architektur verbindet. Reetwellerlehm – ein neu entwickelter, klimafreundlicher Baustoff – macht die Anlage zu einem europaweit einzigartigen Pilotprojekt. Die Raststätte wird zum öffentlichen Ort, erreichbar für Reisende wie für die Region, und schafft neue Räume für Naturerleben, Forschung und Begegnung. So wird ein Verkehrsprojekt zum Vorbild nachhaltiger Landschafts- und Baukultur.

Projektkategorie: Ideen

Wettbewerbsteilnehmerin: Ute Reeh – Zentrum für Peripherie, Karstädt


Wurzeln und Wege – Kindheit gestalten auf dem Land

„Die kleinen Dachse“ zeigen beispielhaft, wie frühkindliche Bildung, Baukultur und Naturerfahrung im ländlichen Raum zusammenfinden können. Die Umnutzung eines denkmalgeschützten Wohnhauses schafft einen naturnahen, inklusiven Lernort, der Bestand erhält und den Ortskern von Groß Breese belebt. Mit natürlichen Materialien, gesundem Raumklima und einem ökologisch gestalteten Waldgarten entsteht ein nachhaltiger Begegnungsraum für Kinder und Familien. Das generationenverbindende Konzept stärkt soziale Strukturen, fördert Teilhabe und setzt ein modellhaftes Zeichen für verantwortungsvolle Entwicklung im ländlichen Raum.

Projektkategorie: Ideen

Wettbewerbsteilnehmerin: Anna Franke – Wildwuchs e.V., Breese