Projektspaziergänge zur Entwicklung der Flussauen in der brandenburgischen Elbtalaue

Das BUND-Auenzentrum Burg Lenzen hat am 18. und 19. Juli zu öffentlichen Spaziergängen in die Projektgebiete zur Entwicklung der Flussauen in der Brandenburgischen Elbtalaue bei Rühstädt, Gnevsdorf und Quitzöbel geladen. Ziel war es, die Menschen vor Ort aktiv in den Planungsprozess von Maßnahmen zur Auenrenaturierung im einzubinden.

Bei den Veranstaltungen wurde den Teilnehmenden der aktuelle Stand einer Voruntersuchung vorgestellt, die derzeit Möglichkeiten der Wiederherstellung auentypischer Lebensräume wie Auenwälder und Flutrinnen auf 211 ha Landes- oder Stiftungseigenen Flächen im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg prüft. Ziel ist es gemeinsam mit den zuständigen Behörden, relevanten Akteuren vor Ort und der lokalen Bevölkerung wesentliche Grundlagen für ein mehrjähriges Umsetzungsprojekt zu erarbeiten, das ab Mitte 2026 starten soll.

Während der Spaziergänge erklärten Fachplaner anhand großer Karten den Zwischenstand ihrer Planungen. Der Forstwirt Jochen Purps erläutert, dass es für die derzeit wenigen jungen Bäume auch durch die starke Konkurrenz von Gräsern und dem ständigen Wildverbiss schwierig ist in der Flusslandschaft heranzuwachsen. Daher soll die Entwicklung unterstützt werden, nicht mit flächendeckenden Pflanzungen, sondern verteilten „Pflanzinseln“. Haben sich diese sogenannten „Initialpflanzungen“ einmal etabliert, kann sich der Wald von hieraus weiter ausbreiten – ein wichtiges Ziel im Projekt, denn es gibt kaum noch Wälder direkt an unseren Flüssen.

Kai Otte-Witte vom Planungsbüro IWUD zeigte während der Spaziergänge auf, dass nicht überall in den Flussauen Bäume gepflanzt werden sollen. Bei der Wahl der Auwaldstandorte ist es entscheidend, dass die zukünftigen Wälder sich nicht negativ bei Hochwasser auswirken, sondern im Gegenteil eher zum Schutz der Deiche etwa bei Eisgang beitragen können. Die Planer prüfen dies mit Hilfe von Modellen: Sie nutzen dafür Laserdaten und Karten, die Auskunft über die Strömung im Hochwasserfall sowie über die Geländehöhen geben. So können sie auch herauszufinden, wo alte Wasserläufe – sogenannte Nebenrinnen – wiederhergestellt werden könnten. Diese ehemaligen Nebenrinnen können im Hochwasserfall für Entlastung sorgen. Zudem würden sie Fluss und Aue wieder miteinander verbinden, so dass die Aue mit ihrer besonderen Tier- und Pflanzenwelt regelmäßig mit dem notwendigen Wasser versorgt werden. 

Warum sind diese Maßnahmen überhaupt notwendig? Diese Frage beschäftigte die Teilnehmenden, weil auf den ersten Blick gar nicht so leicht ersichtlich ist, dass Landschaft und die Artenvielfalt vor allem unter dem Wassermangel in der Aue leiden. Der massive Rückgang der Amphibien und damit verbunden die rückläufigen Bruterfolge z.B. des Weißstorches der letzten Jahre verdeutlichen jedoch nicht nur den Handlungsbedarf,

sondern auch die zunehmende Dringlichkeit. Auch wurde diskutiert, warum an einer Stelle eine Entwicklung für natürliche Flussauen geplant ist und an einer anderen Stelle das Grünland durch Weidetiere aufgewertet werden soll. Das Projektteam betonte: Ziel ist es, vielfältige Landschaften zu schaffen – mit Wiesen voller verschiedener Pflanzen, kleinen Gewässern und Wäldern – um mehr Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum zu bieten.

Ein weiteres Thema war die Befürchtung, dass frisch angebundene Nebenrinnen im Laufe der Zeit wieder zusanden – also verlanden. Bei den Planern hat dieses Anliegen große Priorität, schließlich sollen die Nebenrinnen noch lange Zeit Wasser in die Auen bringen. Dabei ist es hilfreich, die Wasserläufe beidseitig und möglichst tief mit dem Fluss zu verbinden, um eine gute Durchströme zu gewährleisten.  

Das Projekt befindet sich noch in einem frühen Stadium. Das Projektteam möchte von Anfang an eng mit den Menschen vor Ort zusammenarbeiten, um frühzeitig mögliche Konfliktfelder zu erkennen und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Weitere Treffen sind geplant und das BUND-Auenzentrum lädt bereits jetzt herzlich ein, diese Foren für Fragen, Bedenken und Anregungen zu nutzen. 

Das Projekt wird vom Bundesamt für Naturschutz im Rahmen des Bundesprogramms „Blaues Band Deutschland“ gefördert und in Kooperation mit Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Brandenburg und der Stiftung NaturSchutzFonds durchgeführt.

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 20.07.2025