Schutz und Pflege für die Schlingnatter im Biosphärenreservat

Im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg werden seit 2022 gezielt Schutz- und Pflegemaßnahmen für die Schlingnatter durchgeführt. Ziel ist es, wichtige Habitatstrukturen zu erhalten, aufzuwerten und langfristig zu sichern. Grundlage hierfür bildet ein systematisches Monitoring, das die Verbreitung, Populationsgröße und Ansiedlungsschwerpunkte der Art im Gebiet erfasst und damit konkrete Handlungsbedarfe sichtbar macht.

Die Schlingnatter, die kleinste heimische Schlangenart, galt historisch lange als wenig bekannte Art. Ihre unauffällige und versteckte Lebensweise führte dazu, dass sie im öffentlichen Bewusstsein kaum präsent war. Auch im Biosphärenreservat ist das Wissen über Vorkommen und Lebensraumansprüche vergleichsweise jung. Seit Beginn des Monitorings werden die nahezu ortstreuen Tiere regelmäßig erfasst, um fundierte Aussagen über ihre Bestände treffen zu können. Der Name Schlingnatter geht auf ihre Jagdweise zurück, bei der größere Beutetiere durch Umschlingen und Muskelkraft erstickt werden. Aufgrund ihrer glatten Schuppenoberfläche ist sie zudem als Glattnatter bekannt.

Das Monitoring erfolgt von April bis Oktober in einem zweiwöchentlichen Rhythmus durch Rangerinnen und Ranger sowie Praktikantinnen und Praktikanten der Naturwacht. Dabei werden mehr als 100 künstliche Verstecke kontrolliert, die einzeln oder in Gruppen ausgelegt sind. Bei jedem Fund werden der genaue Standort, Größe und Gewicht der Tiere sowie die individuelle dunkle Zeichnung im hinteren Kopfbereich dokumentiert, die als Wiedererkennungsmerkmal dient. Besonders bedeutsam sind Nachweise von Jungtieren, da sie als eindeutiger Hinweis auf erfolgreiche Fortpflanzung an einem Standort gelten.

Der Verlust geeigneter Lebensräume stellt eine zentrale Gefährdung für die Schlingnatter dar. Die Art ist auf strukturreiche Bereiche angewiesen, in denen sich sonnige Offenstellen und Versteckmöglichkeiten kleinräumig abwechseln. Durch Sukzession, rasches Aufforsten und verschiedene Formen menschlicher Nutzung gehen waldgebundene Offenflächen, Ruderalflächen und Saumbiotope zunehmend verloren. Zusätzlich wirken sich die Ausdehnung des forstlichen Wegenetzes, die gleichförmige Struktur vieler Kiefernforste sowie das Entfernen von Totholz negativ auf die Habitatqualität aus. Auch die Ausbreitung gebietsfremder Pflanzenarten wie der Spätblühenden Traubenkirsche, der Gewöhnlichen Robinie oder der Kanadischen Goldrute kann dazu führen, dass ehemals geeignete Lebensstätten in lichten Waldbeständen ihre Eignung verlieren.

Vor diesem Hintergrund dienen die Arbeitseinsätze der gezielten Herstellung und Pflege von Habitatstrukturen an besonders wichtigen Standorten. Ein Schwerpunkt liegt auf dem Rückschnitt von Gehölzen, um offene, gut besonnte Flächen zu schaffen oder zu erhalten. Neben der vollständigen Entfernung von Aufwuchs kommen auch mosaikartige Rückschnitte zum Einsatz, die unterschiedliche Strukturstadien nebeneinander ermöglichen und mit geringerem Arbeitsaufwand verbunden sind. Teilweise lassen sich diese Maßnahmen mit dem Schutz gefährdeter Pflanzengesellschaften verbinden. Insbesondere Pflanzen feuchter Standorte profitieren vom Rückschnitt der Baum- und Strauchschicht, da die Beschattung reduziert und der Wasserentzug durch Gehölze verringert wird. Ergänzend werden durch das Anlegen von Totholzhaufen oder Steinschüttungen gezielt Versteckplätze und potenzielle Winterquartiere geschaffen. Auch Maßnahmen wie die Wiedervernässung von Mooren, die Wiederherstellung naturnaher Fließgewässer mit Sandbänken und Abbruchkanten sowie der Erhalt von Windwurfflächen können geeignete Lebensräume für die Schlingnatter bieten.

Der Erhalt und die Aufwertung von Lebensräumen für die Schlingnatter werden im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg auch künftig eine wichtige Rolle spielen. Neben naturnahen Strukturen können auch vom Menschen geprägte Bereiche wie Strom- und Gastrassen, unbefestigte Wege, Gräben, alte Industrieanlagen oder ehemalige Truppenübungsplätze wertvolle Lebensstätten darstellen. In ihrer Gesamtheit können diese Flächen ein barrierearmes und funktionales Biotopnetz bilden.

Eine wirksame Schutzarbeit setzt jedoch fundierte Kenntnisse über die Art voraus. Daher bleibt das Monitoring ein zentrales Element aller Maßnahmen und unterstreicht die Bedeutung weiterer Forschungs- und Erfassungsprojekte. Gleichzeitig tragen diese Aktivitäten dazu bei, die versteckt lebende Schlingnatter stärker in das Bewusstsein verschiedener Akteurinnen und Akteure zu rücken, sodass sie bei Pflege- und Bewirtschaftungsmaßnahmen sowie bei Bauvorhaben künftig häufiger berücksichtigt wird.

Der Text wurde von Jan Siegfried verfasst, einem Studenten des Studienganges Landschaftsnutzung und Naturschutz an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde, der ein Pflichtpraktikum bei der Naturwacht absolvierte. Der Text wurde redaktionell überarbeitet.

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 09.12.2025