Auenentwicklung im Gespräch: Dritter Projektspaziergang bei Rühstädt und Bälow
Wie lassen sich Auwald, Nebenrinnen und Hochwasserschutz miteinander verbinden? Beim dritten Projektspaziergang am 26. August 2026 informierten das BUND-Auenzentrum Burg Lenzen und die Verwaltung des UNESCO-Biosphärenreservats Flusslandschaft Elbe-Brandenburg über den Abschlussstand der Voruntersuchung „Auenentwicklung in der brandenburgischen Elbtalaue“.
Der rund drei Kilometer lange Weg führte auf den Deich und in das Elbvorland bei Rühstädt. An mehreren Stationen blieb Zeit für Fragen und Diskussionen mit dem Projektteam und den beauftragten Fachleuten. Aus der Region beteiligten sich unter anderem Heike Warnke (Bürgermeisterin Rühstädt), und Manfred Ihl (Vorsitzender Kreisanglerverband Perleberg e.V.) sowie interessierte Anwohnerinnen und Anwohner am Austausch.
Voruntersuchung schafft Grundlage für die Umsetzung
Das Projekt „Auenentwicklung in der brandenburgischen Elbtalaue“ untersucht rund 211 Hektar Fläche bei Rühstädt, Gnevsdorf und Quitzöbel, welche sich im Eigentum des Landes Brandenburg und der Stiftung Naturschutzfonds Brandenburg befinden. Die Voruntersuchung läuft noch bis Ende November 2026. Es soll untersucht werden, wie sich auentypische Lebensräume wie Auwälder und Nebenrinnen wiederherstellen lassen – und ob die geplanten Maßnahmen mit dem Hochwasserschutz vereinbar und genehmigungsfähig sind.
Noch wurden keine Rinnen ausgehoben und keine Bäume gepflanzt. Gemeinsam mit den zuständigen Behörden, lokalen Akteuren und der Bevölkerung sollen in der zweijährigen Voruntersuchung die wesentlichen Rahmenbedingungen und fachlichen Grundlagen für das geplante Umsetzungsprojekt erarbeitet werden. Der Antrag für dieses Umsetzungsprojekt wird gerade finalisiert und beim Bundesamt für Naturschutz (BfN) eingereicht. Nach aktuellem Planungsstand ist eine Laufzeit von Anfang 2027 bis 2034 vorgesehen. Laufzeit, Finanzierung und Projektbeginn stehen unter dem Vorbehalt der Antragsprüfung und Bewilligung durch das BfN.
Bestehenden Auwald gezielt unterstützen
Am alten Leitdeich bei Rühstädt zeigte das Projektteam exemplarisch, warum sich Auwald nicht überall von selbst entwickelt. Dichte Gräser und der Verbiss durch Rehe erschweren jungen Bäumen das Wachstum. Statt großflächig zu pflanzen, sollen vorhandene junge Bäume geschützt und kleine Pflanzungen als Ausgangspunkte angelegt werden. Alte Bäume bleiben dabei besonders wichtig: In ihrem Schatten kann sich die nächste Waldgeneration leichter entwickeln.
Unter Leitung von Maria Lindow diskutierte das Projektteam mit den Teilnehmenden, welche Bedingungen Auwälder für ihre Entwicklung brauchen. Wiederkehrende Überschwemmungen bilden dafür eine wichtige Grundlage. Weichholzauen werden häufiger und länger überflutet. Aber auch Hartholzauen brauchen regelmäßige Hochwasser. Bleiben diese Ereignisse über Jahre aus, verändern sich die Standortbedingungen. Trockenheit, eine dichte Grasdecke und Wildverbiss erschweren dann die natürliche Verjüngung zusätzlich.
In der Diskussion wurde deutlich: Umso wichtiger sind der Schutz vorhandener Bäume, die Naturverjüngung und ein besserer Wasserhaushalt in der Aue.
Nebenrinnen und Wasserhaushalt im Blick
Dipl.-Ing. Kai Otte-Witte von der IWUD GmbH erläuterte anhand großer Karten im Gelände die Planung der Nebenrinnen. Die hydraulischen Modelle zeigen, wo das Wasser bei Hochwasser strömt und wo es eher steht. So lässt sich bestimmen, wo Rinnen sinnvoll sind und wo sich Auwald entwickeln kann, ohne den Hochwasserabfluss zu behindern.
Die geplanten Rinnen erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Einige sollen Wasser länger in der Aue halten. Andere sollen frühere Gewässer wieder mit der Elbe verbinden. Davon profitieren Fische und viele weitere Arten, die dort besonders gut laichen und ihren Nachwuchs großziehen können.
Der Wunsch aus Gemeinde und Anglerschaft, eine historische Rinne bis zum Bälower Haken weiterzuführen, wurde in den Antrag für das Umsetzungsprojekt aufgenommen. Dadurch würde sich das betrachtete Projektgebiet von 211 auf rund 467 Hektar vergrößern. Ob und wie die Rinne wieder an die Elbe angebunden werden kann, soll gemeinsam mit den Menschen vor Ort geprüft werden. Die genaue Planung und die Abstimmung mit den Flächeneigentümerinnen und Flächeneigentümern stehen noch aus.
Belasteter Boden braucht einen genauen Plan
Beim Ausheben der Rinnen fallen große Mengen Boden an. Historische Ablagerungen der Elbe enthalten stellenweise Schwermetalle sowie Dioxine und Furane. Betroffen ist vor allem der humusreiche Oberboden. Deshalb kann das Material nicht beliebig eingebaut oder weiterverwendet werden.
Daher ließ das Projektteam im Bereich Rühstädt an 14 Stellen den Boden untersuchen. Die Belastung war insgesamt geringer als angenommen. Nach heutigem Stand ist das untersuchte Material kein gefährlicher Abfall. Es muss daher voraussichtlich nicht aufwendig auf einer Deponie entsorgt werden. Eine solche Entsorgung wäre sehr teuer und könnte die Finanzierbarkeit des Vorhabens infrage stellen.
Ganz ohne Einschränkungen ist die Verwertung dennoch nicht möglich. Einzelne belastete Oberböden eignen sich zum Beispiel nicht als obere Schicht eines mit Schafen beweideten Deichs. Tiefer liegende Sande sind meist geringer belastet. Beim späteren Aushub sollen die Bodenschichten daher getrennt, erneut beprobt und in Abstimmung mit der Bodenschutzbehörde passenden Verwendungen zugeordnet werden. Voraussichtlich kann das Material im Projektgebiet bleiben oder im Landschafts- und Erdbau genutzt werden.
Die Projektspaziergänge gehören zur „Auenwerkstatt“, mit der das BUND-Auenzentrum die Menschen vor Ort beteiligt. Dazu gehören noch weitere Formate wie Regionalgespräche mit Anwohnenden oder die jährlich erscheinende „Auenzeitung“. Das Bundesamt für Naturschutz fördert das Projekt im Bundesprogramm „Blaues Band Deutschland“. Die Biosphärenreservatsverwaltung ist Kooperationspartnerin.
Nächster Projektspaziergang am 2. September
Der nächste Projektspaziergang führt am Mittwoch, 2. September 2026, in das Projektgebiet bei Gnevsdorf und Quitzöbel. Beginn ist um 17 Uhr am Parkplatz am Gnevsdorfer Wehr. Eine Anmeldung ist per E-Mail an heiko.boelk(at)burg-lenzen(dot)de möglich.
Gebiet
- Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe
Meldung vom 26.08.2026
