Auffällige Flatterulmen: Spurensuche in der Deichrückverlegung

Einzelne Flatterulmen in der Deichrückverlegung zeigen auffällige Blätter oder sind abgestorben. Bei einer gemeinsamen Begehung nahm ein Team des Thünen-Instituts für Forstgenetik Proben. Nun soll die Untersuchung im Labor Hinweise auf mögliche Ursachen geben.

Einzelne Bäume geben Anlass zum genaueren Hinsehen

Die Flatterulme gehört zu den drei heimischen Ulmenarten. Sie wächst vor allem an Flussufern und auf feuchten Standorten. Auch mit zeitweiligen Überflutungen kommt sie gut zurecht. In der Deichrückverlegung hat sie sich deshalb bisher als robuste Baumart erwiesen.

Bei regelmäßigen Beobachtungen fielen einem Dipl.-Forstwirt einige ältere Flatterulmen auf. Er begleitet die Deichrückverlegung seit Beginn fachlich und kennt die Landschaft in der Region gut. Einzelne Bäume wirkten geschwächt, andere waren bereits abgestorben. Es handelte sich nicht um eine flächige Massenerscheinung. Die Beobachtungen waren aber Anlass genug, die Bäume genauer untersuchen zu lassen. Der Dipl.-Forstwirt recherchierte zu möglichen Ursachen und stellte den Kontakt zum Thünen-Institut für Forstgenetik her.

Am 24. Juni 2026 besichtigten Beschäftigte der Biosphärenreservatsverwaltung gemeinsam mit einem Team des Thünen-Instituts für Forstgenetik die betroffenen Bereiche. Eine beteiligte Wissenschaftlerin arbeitet am Standort Waldsieversdorf. Sie beschäftigt sich unter anderem mit Krankheitserregern an Gehölzen und hat zu Pathogenen der Flatterulme geforscht.

Ähnliche Symptome können verschiedene Ursachen haben

Gelbliche Flecken, ringförmige Verfärbungen oder welke Blätter können erste Hinweise auf eine Erkrankung sein. Aus dem Aussehen allein lässt sich die Ursache jedoch nicht sicher bestimmen. Auch Trockenheit, Nährstoffmangel oder Fraß- und Saugschäden durch Insekten können ähnliche Veränderungen hervorrufen.

Bei Ulmen sind verschiedene Krankheitserreger bekannt. Dazu gehören Pilze, die das klassische Ulmensterben auslösen, bestimmte Bakterien und pflanzenschädigende Viren. Auch mehrere Belastungen können gleichzeitig auftreten. Dann kann ein Baum stärker geschädigt werden als durch einen einzelnen Faktor.

Deshalb prüfte das Team nicht nur die Oberseite auffälliger Blätter. Auch die Blattunterseiten und die Verteilung der Symptome am Baum waren wichtig. Ringförmige Flecken an mehreren Blättern eines einzelnen Zweiges können auf eine Virusinfektion hindeuten. Welke Blätter an einzelnen Ästen können dagegen zu einem pilzbedingten Schadbild passen. Beides sind zunächst nur Hinweise.

Blatt- und Holzproben für das Labor

Für die weitere Untersuchung sammelte das Team rund 20 Proben. Eine Probe enthielt jeweils mehrere Blätter eines Baumes. Neben auffälligen Blättern wurden auch unauffällige Blätter von einem anderen Baum in der Nähe als Vergleichsmaterial aufgenommen. Von einem verdächtigen Ast wurde zudem eine Holzprobe genommen.

Erst Laboranalysen können zeigen, ob und welche Krankheitserreger in den Proben vorkommen. Die Ergebnisse lagen bei Erstellung dieses Entwurfs noch nicht vor. Deshalb lässt sich derzeit auch kein direkter Zusammenhang zwischen den abgestorbenen Bäumen und einem bestimmten Erreger herstellen.

Gesamtbild der Flatterulmen bleibt vergleichsweise gut

Trotz der auffälligen Einzelbäume bewertete die Wissenschaftlerin den Gesamteindruck der vorhandenen Flatterulmen bei der Begehung als gut. Viele Bäume wirkten vital. In mehreren Bereichen wächst zudem eine junge Generation von Ulmen auf natürliche Weise heran.

Trockenheit und Wildverbiss erschweren diese Naturverjüngung stellenweise. Ob Trockenstress auch bei den aktuell untersuchten Schadbildern eine Rolle spielt, ist jedoch offen. Die Biosphärenreservatsverwaltung beobachtet die weitere Entwicklung der Flatterulmen und wartet die Laborergebnisse ab.

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 06.07.2026