Baggern für den Artenschutz – Sanierte Kleingewässer für die Amphibiensaison 2026
Im Herbst und Winter 2025 wurden vier Kleingewässer im Rahmen der Gewässerunterhaltung gezielt saniert und für die kommende Amphibiensaison 2026 vorbereitet. Ziel der Maßnahmen ist es, Amphibien dauerhaft geeignete Laich- und Entwicklungsgewässer zur Verfügung zu stellen, auch unter zunehmend trockenen Witterungsbedingungen.
Zwei der sanierten Gewässer liegen südwestlich von Wittenberge in der Nähe des Naturschutzgebiets Krähenfuß. Mit Unterstützung von Coca-Cola konnte der Förderverein die Umsetzung der Maßnahmen ermöglichen. Unter anderem wurden die zuvor sehr flachen Tümpel vertieft, da sie in der Vergangenheit häufig bereits im Juli vollständig austrockneten. Durch die Anpassung des Gewässergrundes und der Uferböschungen steht Amphibienlarven künftig länger Wasser zur Verfügung, sodass sie ihre Metamorphose von der Kaulquappe zum erwachsenen Tier abschließen können.
Zwei weitere Kleingewässer befinden sich bei Rühstädt in Deichnähe. Die sogenannten „Pappelstücke“ wurden von der Abteilung W21 des Landesamtes für Umwelt als Ausgleichsmaßnahmen im Rahmen des Deichbaus angelegt. Das sehr trockene Frühjahr 2025 führte hier jedoch zu niedrigen Wasserständen. Trotz eines regnerischen Sommers konnten sich nur in einem der vier Gewässer erfolgreich junge Amphibien bis zum adulten Stadium entwickeln.
Um die Eignung der Gewässer als Amphibienlebensraum langfristig zu sichern, wurden zwei der Tümpel von Gehölzen befreit und mit tieferen Bereichen als Rückzugsorte für Dürreperioden versehen. Besonderes Augenmerk lag auf der Ufergestaltung. Besonnte Flachwasserbereiche sind vor allem für Frühlaicher wie Grasfrosch und Moorfrosch von zentraler Bedeutung.
Ein Kleingewässer amphibiengerecht zu gestalten, ist oft anspruchsvoller als es auf den ersten Blick scheint. Amphibien gelten zwar als vergleichsweise genügsam und besiedeln neu entstandene Gewässer häufig sehr schnell, ihre Lebensraumansprüche stehen jedoch vielfach im Konflikt mit der menschlichen Landnutzung. Sumpfige Uferbereiche, Ackersölle und Nassstellen mussten in vielen Regionen Landwirtschaft, Siedlungsbau oder Erholungsnutzung weichen.
Für Amphibien geeignete Gewässer müssen einerseits lange genug Wasser führen, andererseits aber regelmäßig austrocknen. Dauerhaft wasserführende Teiche werden häufig von Fischen besiedelt und sind für die meisten Amphibienarten ungeeignet. Bewährt hat sich daher die Anlage von Kleingewässern mit unterschiedlichen Tiefen in räumlicher Nähe. Tiefere Becken sichern bei Trockenheit Restwasser, während flachere Teiche häufiger austrocknen und so fischfrei bleiben. Dieses Konzept wurde auch bei den Pappelstücken umgesetzt, wobei die aktuell sanierten Gewässer die tieferen Laichhabitate darstellen.
Die Durchführung der Arbeiten im Herbst bietet einen zusätzlichen Vorteil. Wird bis zum anstehenden Grundwasser entschlammt, kann sichergestellt werden, dass auch in vergleichbaren Trockenjahren ein Restwasserbereich zur gleichen Jahreszeit erhalten bleibt.
Zur Überprüfung des Maßnahmenerfolgs ist für das Jahr 2026 ein Amphibienmonitoring vorgesehen. Rangerinnen und Ranger der Naturwacht erfassen dabei zwischen April und Juli alle vorkommenden Amphibienarten an und in den Gewässern, unter anderem mit Keschern, Reusen, Kopflampen und durch akustische Nachweise.
Neben Teichfrosch, Teichmolch und Erdkröte stehen insbesondere der Kammmolch und die Rotbauchunke im Fokus. Beide Arten sind europaweit geschützt und im Anhang II der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelistet, der europäischen Richtlinie zum Schutz von Arten und Lebensräumen. Auch auf Nachweise des Moorfrosches wird gehofft. Der zur Laichzeit auffällig blau gefärbte Frosch ist in den letzten Jahren vielerorts von einer ehemals häufigen Art zur Rarität an Tümpeln und Weihern geworden.
Gebiet
- Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe
Meldung vom 09.01.2026
