Bestand beim Mittelspecht nimmt leicht zu

Der Mittelspecht gehört im Europäischen Vogelschutzgebiet „Unteres Elbtal“, das räumlich dem Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg entspricht, zu den wertgebenden Arten und ist nach Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie geschützt. Die Ranger der Naturwacht erfassten 2019 im Auftrag des Landes Brandenburg die Art bereits zum dritten Mal. Im Biosphärenreservat hat sich der Bestand leicht auf 67 Reviere erhöht. Gleichwohl beurteilen die Ranger die Lebensraumstrukturen überwiegend als schlecht.

Auf etwa einem Fünftel der Fläche des Biosphärenreservats kartierten die Ranger den Mittelspecht. Das ausgewählte Gebiet beinhaltet den Großteil des Mittelspecht-Vorkommens. In die Auswertung flossen auch Zufallsbeobachtungen der ehrenamtlichen Ornithologen Hans-Werner Ullrich und Thomas Könning mit ein.

Wenngleich kaltes und nasses Wetter die Kartierung im Frühjahr 2019 beeinflusste – die Sicht war schlecht und der Specht ruft bei diesen Bedingungen seltener – konnten gemäß Methodenstandard aus 140 Einzelbeobachtungen innerhalb der Referenzfläche 41 Reviere ermittelt werden. Für das gesamte Biosphärenreservat ergeben sich 67 Reviere. Dies entspricht einer leichten Zunahme des Bestandes.

Der Mittelspecht wird bereits seit mehr als 15 Jahren an der Elbe regelmäßig kartiert. Über die Jahre konnten stets um die 60 Brutpaare für das Großschutzgebiet nachgewiesen werden. Vorkommensschwerpunkte innerhalb der Referenzfläche waren 2019 mit zehn Revieren das FFH-Gebiet „Elsbruch“, mit neun Revieren das Naturschutz- und FFH-Gebiet „Gadow“ sowie mit sieben Revieren das FFH-Gebiet „Lennewitzer Eichen“.

In den FFH-Gebieten wurden Mittelspechtreviere in folgenden Waldbiotopen registriert: Eichenmischwälder, Eichen-Hainbuchenwälder, Rotbuchenwälder, Naturnahe Laubwälder, Laubholzforsten, Mischwald, Hartholzauenwald und Parkanlagen. Kaum besiedelt wurden hingegen stark fragmentierte und dadurch zu kleine Wälder mit einer Größe von unter zehn Hektar.

Trotz konstanter Revierzahlen weisen die Gutachten für die FFH-Managementplanung sowie die Kartierergebnisse auf viele Beeinträchtigungen und Gefährdungen für den Mittelspecht im Biosphärenreservat hin.

Die anhaltende Trockenheit und der stark beeinträchtigte Wasserhaushalt gefährden einen Großteil der für den Mittelspecht wichtigen Laubwaldbestände. Es wäre daher dringend angeraten, mehr Wasser in der Landschaft zu halten, um künftige Schäden infolge des fortschreitenden Klimawandels zu verringern.

Wichtig ist für den Mittelspecht zudem, Höhlenbäume unter Schutz zu stellen und insgesamt mehr Alt- und Totholz im Wald zu belassen. Für solchen Vertragsnaturschutz im Wald können Waldbesitzer aktuell eine Förderung beantragen. Vor allem alte Laubbäume mit grobrissiger Rinde oder stark strukturiertem Totholz sichern das Überleben der Art, denn hier finden die Tiere ihre Nahrung. Auch die Erhöhung des Laubholzanteils im Mischwald sowie die Anlage und Förderung möglichst großer Eichenbestände oder Laubmischwälder von mindesten 30 Hektar Größe wären geeignete Maßnahmen zur Förderung der Art. Von großem Wert für die Art sind Waldgebiete, die 15 bis 20 potenzielle Brutbäume pro Hektar aufweisen – zum Beispiel 100-jährige Eichen mit einem durchschnittlichen Stammdurchmesser von 40 cm.

Neben Eichen sind auch andere grobborkige Baumarten wie Erle, Ulme, Ahorn oder Linde zu fördern. Als geeignete Schutzmaßnahme für den Mittelspecht werden auch die Ausdeichung und zusätzliche Pflanzung von Hartholzauwäldern angesehen. Von der Förderung von Alt- und Totholzbeständen würden insgesamt auch viele weitere geschützte Arten profitieren, für die Brandenburg eine besondere Verantwortung trägt. Dazu zählen seltene Käfer wie Heldbock und Eremit oder auch Fledermäuse.

Autorin Marion Korsch ist Rangerin bei der Naturwacht am Standort Lenzen.

Informationen zum Bestand des Wiedehopfes können auch im Managementplan des Vogelschutzgebietes "Unteres Elbtal" nachgelesen werden

Informationen über die Arbeit der Naturwacht in Brandenburg

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 26.09.2019