Naturwacht erfasst Bestandsanstieg vom Mittelspecht

In der Europäischen Union stehen alle wildlebenden heimischen Vogelarten unter Schutz. Für besonders gefährdete Arten wurden spezielle Vogelschutzgebiete ausgewiesen. Alle sechs Jahre wird überprüft, wie sich die Bestände entwickeln. Im Europäischen Vogelschutzgebiet „Unteres Elbtal“ hat die Naturwacht Brandenburg im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe in diesem Jahr den Mittelspecht erfasst.

Innerhalb der untersuchten Referenzfläche kam es zu einem deutlichen Anstieg: von 43 Revieren im Jahr 2019 auf 122 Reviere im Jahr 2025. So stieg im Naturschutzgebiet „Gadow“ die Zahl der Reviere von 6 auf 16, im Schutzwald Elsbruch von 10 auf 16 und in den Lennewitzer Eichen von 7 auf 18.

Im Jahr 2019 waren die Erfassungsbedingungen im März und April durch kühle und nasse Witterung ungünstig, wodurch der Bestand vermutlich nicht vollständig erfasst werden konnte. In diesem Jahr hingegen waren die Wetterbedingungen während der Zählung deutlich besser. Als weiterer Grund für den Anstieg der Revierzahlen gilt die zunehmende, klimabedingte Dynamik in den Wäldern. Der gestiegene Totholzanteil hat laut Bundesamt für Naturschutz deutschlandweit zu Zunahmen bei Bunt-, Schwarz- und Mittelspecht geführt.

Rangerin Marion Korsch von der Naturwacht im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe bewertet den Anstieg mit gemischten Gefühlen:
„Die Bestandssituation der Spechte hat sich weiter verbessert. In jüngster Zeit profitieren sie vom Klimawandel: Sturmereignisse schaffen Windwurfflächen, Schädlingskalamitäten und Dürreperioden erhöhen den Anteil an Totholz im Wald.“

Der Mittelspecht besiedelt im Vogelschutzgebiet vor allem Laubmischwälder mit alten Eichen sowie Erlenbruchwälder, die an Eichenbestände angrenzen. Auch kleinere Waldflächen und Parks werden als Lebensraum genutzt. Ein Umbau naturnaher Laubmischwälder in Nadelholzforsten lässt diesen Lebensraum jedoch schrumpfen – zum Nachteil dieser wärmeliebenden Spechtart.

Im gemeinsamen Bericht „Vögel in Deutschland: Bestandssituation 2025“ des Bundesamts für Naturschutz, der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten und des Dachverbands Deutscher Avifaunisten wird der Bestand des Mittelspechts im Zeitraum 2017 bis 2022 auf 37.000 bis 66.000 Reviere geschätzt. In den vergangenen 40 Jahren nahm der Bestand kontinuierlich zu. Etwa 35 Prozent des Vorkommens befinden sich in deutschen Vogelschutzgebieten, die rund 11,3 Prozent der Landesfläche einnehmen.

In der kommenden Brutsaison erfasst die Naturwacht im Biosphärenreservat die Bestände von Wespenbussard, Rot- und Schwarzmilan – mit der Hoffnung auf stabile Revierzahlen bei den Greifvögeln.

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 25.11.2025