Wenn Sensoren Arten erfassen: Automatisches Biodiversitätsmonitoring im Biosphärenreservat

Welche Vögel, Fledermäuse und nachtaktiven Insekten sind in einem Gebiet unterwegs? Automatische Messstationen können über längere Zeit Töne und Bilder erfassen. Im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Brandenburg kommt diese Technik im europäischen Projekt „Automated Biodiversity Monitoring Stations“ zum Einsatz.

Vögel hören, Fledermäuse erkennen, Insekten fotografieren

Die biologische Vielfalt regelmäßig zu erfassen, ist aufwendig. Viele Arten sind nur zu bestimmten Tages- oder Jahreszeiten aktiv. Andere sind schwer zu beobachten. Automatische Sensoren können die bewährten Erfassungen durch Fachleute ergänzen.

Genau hier setzt das Projekt „Automated Biodiversity Monitoring Stations“, kurz ABMS, an. Akustische Sensoren zeichnen die Rufe von Vögeln und Fledermäusen auf. Eine kamerabasierte Insektenfalle lockt nachtaktive Fluginsekten mit Licht an und fotografiert sie. Zusätzlich messen kleine Datenlogger Temperatur und Feuchtigkeit.

Das Studiendesign umfasst die Lebensräume Wald, Offenland und Feuchtgebiet. Pro Gebiet sind zwei Messflächen vorgesehen. Auf beiden Flächen erfassen akustische Sensoren Vögel und Fledermäuse. Auf einer der beiden Flächen kommen die Insektenkamera und ein weiterer Datenlogger hinzu.

Messstationen im Biosphärenreservat

Für zunächst ein Jahr nimmt auch das Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe Brandenburg an dem europaweiten Messnetz teil. Das Bundesamt für Naturschutz koordiniert die deutschen Standorte und wandte sich auf der Suche nach Flächen, auf denen bereits Monitoringdaten erhoben werden, an die Biosphärenreservatsverwaltung.

Die Biosphärenreservatsverwaltung schlug bestehende Flächen der Ökosystemaren Umweltbeobachtung vor. Dieses langfristig angelegte Monitoring führt sie in Kooperation mit der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde durch. Die Naturwacht unterstützte anschließend bei der Installation der Anlagen vor Ort. Ende Juni 2026 wurde ein Messpunkt an einen geeigneteren Standort versetzt.

Die Aufnahmen erzeugen große Datenmengen. Sie werden an der Universität Aarhus in Dänemark gespeichert und sollen später nach den FAIR-Grundsätzen frei verfügbar sein. Das bedeutet: Forschungsdaten sollen auffindbar, zugänglich, mit anderen Systemen nutzbar und wiederverwendbar sein.

Programme mit künstlicher Intelligenz können in den Daten Tierstimmen oder Insektenbilder erkennen und mögliche Arten zuordnen. Diese Ergebnisse gelten zunächst als Vorschläge. Fachleute müssen wichtige Nachweise prüfen, denn auch gute Erkennungsprogramme können sich irren.

Baustein für ein europäisches Messnetz

In der europäischen Pilotphase 2024 und 2025 waren rund 200 Sensoren an 70 Messpunkten im Einsatz. Sie sammelten Millionen Tonaufnahmen und Bilder aus Wald-, Offenland- und Feuchtgebieten. Der Abschlussbericht zeigt: Automatische Stationen können vergleichbare Daten über Ländergrenzen hinweg liefern. Zugleich brauchen sie regelmäßige Wartung, verlässliche Datenwege und fachliche Kontrolle.

Die Stationen im Biosphärenreservat tragen dazu bei, die Methode unter regionalen Bedingungen zu erproben. Ergebnisse aus den hiesigen Aufnahmen liegen für diesen Artikel noch nicht vor. Das Projekt kann jedoch helfen, Veränderungen der biologischen Vielfalt künftig über längere Zeiträume und in verschiedenen Lebensräumen besser zu beobachten.

Weitere Informationen

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 01.09.2026