Wollige Wanderführer und gesundes Obst aus der Natur: Junior-Ranger-Camp der Naturwacht in Rühstädt

„Machen wir ein Knoten-Camp“? Fragt Henry scherzhaft, als Rangerin Sophie ein verknotetes Seil in die Runde der Junior Ranger*innen legt, die sich zur Begrüßung an der Streuobstwiese eingefunden haben. Die letzte Ferienwoche läuft und nach dem großen Landes-Junior-Ranger-Camp im Nationalpark „Unteres Odertal“ am ersten Ferienwochenende klingen die Ferien im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg mit einem kleinen Regionalcamp aus. 11 Kinder aus den Arbeitsgemeinschaften der Naturwacht in Lenzen und Wittenberge sind für drei erlebnisreiche Tage nach Rühstädt gekommen.

Das Seilrätsel ist schnell gelöst. Alle Teilnehmenden verknoten einen kurzen Strick an einem Rundseil, sodass eine Sonne daraus wird. Diese erstrahlt, indem alle ihren Strick auf Spannung ziehen. Dabei wird der Sonnenball so stabil, dass sich ein Kind in die Mitte setzen kann. Es wird von den anderen getragen. Ein schönes Bild für unser Camp. Wir sind füreinander da, geben aufeinander acht und sind in der Gemeinschaft stark.          

Auf der Streuobstwiese nebenan biegen sich die Äste vor Äpfeln und Birnen und an herunter gefallenen Pflaumen laben sich Tagpfauenaugen und Admiralfalter. Die farbenfrohen Schmetterlinge ziehen die Kinder an. Doch bevor es zu den Insekten auf die Wiese geht, erwarten uns wollige Vierbeiner. Wolke, Pontus, Bob und Distel gehen mit den lebhaften Kindern auf Wanderschaft. Flauschig weich ist die Wolle der Schafe, die ruhig neben den Kindern laufen. Das Schafe intelligente Tiere sind, erleben die Kinder dann auch sogleich auf einem Parcours, den die Vierbeiner problemlos bewältigen. Die Teilnehmenden erfahren auch, dass die Wolle der Schafe ein Leben lang wächst. Wie bei uns die Haare, stellen die Kinder fest. Damit die Last nicht zu schwer wird, werden die Schafe auf dem Hof von Lisa und Basti zweimal im Jahr geschoren. Was man aus der Wolle machen kann? Kleine Filzschäfchen zum Beispiel. Unter Anleitung des NABU im Besucherzentrum Rühstädt entstanden später kreative Filzobjekte. 

„Schöner aus Nordhausen“, „Williams Christ“, „Kaiser Wilhelm“, „Schöne von Löwen“, Namen, die unsere Nachwuchsranger*innen noch nie gehört haben. So heißen Apfel-, Birn,- und Pflaumensorten auf der Streuobstwiese. Große und kleine, rote und gelbe, dicke und dünne Früchte. Eine bunte Vielfalt, von der sich die Kinder auch geschmacklich überzeugen. Manche süß, andere säuerlich, aber alle sehr saftig. „Also ich finde den Namenlosen voll lecker“, antwortet Johanna auf die Frage von Rangerin Luise, welcher Apfel am besten schmeckt. 25 Obstarten- und Sorten wachsen auf der Wiese, die eine wertvolle Bienenweide ist. Deshalb geht es dann zu Imker Schlünz an den benachbarten Bienenstand. Die Honigbienen sammeln Nektar und Pollen und bestäuben die Obstblüten. Unermüdlich fliegen sie von Blüte zu Blüte und füllen die Waben. Eine Wabe enthält bis zu 2 kg Honig, den der Imker entnimmt. Dafür bekommen die Bienen Zucker als Futterersatz.  Neben Honigbienen leben Wildbienenarten, wie Hummeln, Mauerbienen und Sandbienen auf der Obstwiese, sie alle sorgen für eine gute Ente. Aus der gesammelten Früchten der Kinder wurde ein leckeres Mus, natürlich in Eigenverantwortung. 

Dann zum Abschluss: Begrüßung an der Streuobstwiese, Verabschiedung im grünen Klassenzimmer.  Ein kleiner Ort inmitten von Gebüschen und Bäumen, ein Abenteuerspielplatz, den die Kinder ihren Eltern und Großeltern bei Eintreffen präsentieren. Wo haben sie Buden gebaut, mit Rangerin Aline Knüppelkuchen gebacken und gemeinsam gespielt? In der Abschlussrunde erfahren die Erwachsenen auch von einer spannenden Nachtwanderung und von all den Erlebnissen, die viel mehr waren als ein Knoten-Camp. Und doch sind sie durch drei erlebnisreiche Tage zusammengewachsen und fest miteinander verbunden. 

Autorin: Ricarda Rath ist Rangerin und Gebietsleiterin der Naturwacht im Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe-Brandenburg.

Adresse

14410 Potsdam

Gebiet

  • Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe

Meldung vom 05.09.2025